Renne also am Sonntag an all den Schoppen vorbei zur Mal, kann mir nichts schoeneres vorstellen. Die Minenarbeiter der Stadt lassen es so richtig krachen, macht die Stadt in der es nur einmal im Jahr im Juni regnet weniger sympatisch denn die Stimmung auf den Strassen ist stark veraendert. Laufe an ein paar Zeltwohnungen vorbei und finde mich in der Schlange derer wieder, die es sich leisten koennen ins Einkaufszentrum zu gehen. Das sind einige, aber viel mehr haengen Arm in Arm argwoenisch guckend im Bierrausch auf der Strasse herum – komisches Gefuehl hier den Wochenlohn mal so eben fuer Schuhe auszugeben, nur weil der Herr irgendwelche Stein- und Matschstrassen in den Bergen wegen dem Ausblick mit vollem Rucksack hoch- und runter krauchen will. Finde Schuhe, nur leider hat die Verkaeuferin keine andere als eine Tuete die mich als RKF Kaeufer eindeutig identifiziert. So schleiche ich wieder Richtung Innenstadt. Halte zwischendurch noch an einem Strassenstrand an, um Fruechte fuer die Fahrt zu kaufen, leider berechnet mir die arme Frau nicht mehr und so schleiche ich schlechten Gewissens mit leicht gekruemmter Haltung davon nachdem sie mein Abschiedsgruss vor lauter Sorge schon nicht mehr wahrgenommen hat.
Naechsten Morgen 5:00 Uhr hoere ich zum Glueck den Wecker und renne zum Bus nach Ollaguee, steige in den falschen ein, bezahle nochmal die 5000 Pesos und lehne mich neben einem in Wolldecken eingehuellten alten Mann zurueck. Die Fahrt ist mit Worten nicht zu beschreiben, an Salzseen und deren kleinen Doerfern vorbei, Schluchten, weite braeunliche Felder, vicuñas und am Horizont Berge und Vulkane von 6000 Meter Hoehe. Versinke wieder in der Landschaft mit Musik, Mono’s “You are there” Album laesst mich in diesem Rumpelbus fliegen, die Weite der Landschaft, die nicht zu greifende Groesse jagt mir einen Schauer nach dem naechsten ueber den Ruecken und atemlos ob meiner Position irgendwo zwischen Chile und Bolivien starre ich aus dem Fenster. Der Holperweg fuehrt nach Ollaguee, einer kleinen verlassenen Bahnarbeiterstadt auf ueber 4000 Meter an der Grenze zu Bolivien. Die Chilenischen Grenzformalitaeten laufen ohne Probleme – doch dann kommt Bolivien! In Bolivien ist alles moeglich, Lektion eins.
Treffe Pamela und Roberto, zwei Chilenen aus Coquimbo. Wir werden irgendwo im Niemalsland ausgesetzt um auf den Bolivianischen Bus zu warten, denn der Chilenische darf die Grenze nicht ubertreten, der Bolivianische ebenso nicht, bin mir ganz sicher, denn die beiden Laender moegen sich nicht besonders (wie auch immer das geht). Wie es in der Realitaet aussieht bricht dann ueber uns hinein. Der Bolivianische Bus riecht komplett anders, wie Asien hat auch Bolivien seinen eigenen Geruch – hier ist es durch das kauen der ojas de coca. Am Bolivianischen Grenzposten angekommen lese ich mir erstmal alle moeglichen Einreisebestimmungen durch – also Amerikaner will ich hier nicht sein, teure und schwierige Angelegenheit. Aber auch fuer uns wird es komisch. In dem kleinen Hauesschen sitzt ein handfester schiesswuetiger Soldat der Pamela und Roberto erstmal klar macht wer hier der Herr in der Lehmhuette ist. Wild fuchtelnd und befehlend wird ihnen aufgrund eines selbstgeschriebenen Papiers des Grenzsoldaten erstmal die Einreise verweigert, da helfen auch die 100 Bolivianos Schmiergeld nicht – mein Diplomthema live, zum kotzen! Denn auch ich krieche zu dem Typen, bezahle die ueblichen 21 Bolis Schmiergeld, bekomme leider nur 30 Tage Aufenthaltserlaubnis und bin froh, dass alle Stempel an rechter Stelle zu finden sind. Die anderen beiden flehen und betteln weiter und zum Schluss kommen sie dann doch durch, teure Angelegenheit.
Der Typ in seiner Huette hat noch nicht vergessen, dass die Chilenen den Bolivianern den Zugang zum Meer genommen haben. So hat hier jedes Land mit dem anderen so seine Spielereien, die im Gegensatz zu Europa hier aber offen zu Tage treten. Argentinien mag Chile nicht, Chile Argentinien nicht, Peru mag Chile nicht, Bolivien mag Chile nicht und Chile guckt wegen des Chaos in beiden Laendern etwas laechelnd auf die beiden hinab – zum Glueck denken die Menschen in den Laendern da etwas entspannter, auch wenn hier in Bolivien alles etwas anders zu sein scheint, ich bin gespannt.
Auf der Fahrt nach Uyuni kommen wir an vielen kleinen Orten und Lamas vorbei, weinende Haeuser aus Lehm, Blech und Stroh, nur selten fertig gestellt – alles wirkt ausserirdisch vor dieser irren Bergkulisse. Wir brauchen fuenf Stunden fuer die 200 Kilometer – daran muss ich mich wohl auch gewoehnen. Uyuni blueht fuer Bolivianische Verhaeltnisse durch die vielen Salar Touristen auf. Es gibt zu meinem Glueck sogar ein ATM und wenig spaeter haben wir zur Siestazeit die billigste Absteige gefunden – 20 Bolis pro Person. Dumm nur, dass es fast kein Wasser gibt und wir mit dem spuehlen des Geschirrs immer bis naechsten Morgen warten muessen oder es draussen in den naechtlichen Regen stellen. Duschen geht gar nicht, wenn man Glueck hat gibt es genug fuer die Zaehne.
Wir machen uns auf die Suche nach Moeglichkeiten die Touritouren auf den Salar zu umgehen. Tausende Fragen und am Abend gibt es die Supersonderangebote, doch nach zwei weiteren Agenturen wird klar, dass alle zu einer bestimmten Zeit den Preis um 20 Bolis senken – so ein Quatsch! Also entscheiden wir uns den Bus nach Colcha”K” zu nehmen, der nach Robertos Informationen direkt ueber den Salar nach Sueden faehrt. Preis ausgehandelt, und schon stehen wir naechsten Morgen im lokalen fuenf Sterne Bus nach Colcha”K”, es gab keine Sitzplaetze mehr. Das Gefaehrt rast mit 20km/h los und wir brauchen fuer die zwanzig Kilometer zur Rampe auf den Salar de Uyuni eine Ewigkeit. Kurzer Stopp an den artesania Staenden und dann faehrt diese Schaukel doch tatsaechlich auf den Salzsee – nichts ist mehr zu sehen, selbst mit Sonnenbrille faellt es schwer. Irgendwann, als wir in der Ferne das Salzhotel erahnen haelt der Fahrer fuer uns an und wir tappen mit den FlipFlops raus auf Salz – ins Nirgendwo. Ueberall weiss, renne barfuss um mein Wunde von El Bolsón zu heilen und bewundere das Wetterspiel, auf einer Seite ist alles schwarz, auf der anderen blauer Himmel. Der Bus verschwindet am Horizont und wir dallern los, irgendwie zu diesem dunklen Punkt am Horizont der sich wegen der Entfernung spiegelt und das Salzhotel sein soll. Ist es dann auch. Dort angekommen machen wir ein paar Bilder und quatschen mit den Leuten der Touren um eine Mitfahrgelegenheit zurueck nach Uyuni zu finden – doch nichts, alle fahren in die andere Richtung. Die dunkle Front aus Richtung der Berge kommt naeher und es faengt an zu stuermen und zu regnen – trampen auf dem Salzsee – es stellt sich als sehr schwierig heraus. Zwei Jeeps passieren das Hotel, aber ungefaehr 500 Meter entfernt. So rennen wir hin und her zwischen den Jeeps und bald geht nichts mehr, die Hoehe ist einfach zu schlauchend. Ploetzlich taucht ein grosser Bus am weissen Horizont auf der aehnlich dem mit dem wir gekommen waren zu sein scheint. Wir mobilisieren alle Kraefte und rennen wieder wild winkend und prustend ueber das Salz – doch nichts, der Fahrer faehrt vorbei, keine Ahnung ob der uns nicht gesehen hat oder es ihm egal war, dicht genug drann waren wir.
Aber in Bolivien ist alles moeglich, Lektion zwei. Es wird langsam kalt. Unendliche Momente spaeter taucht wieder ein Jeep auf, zwei, drei und sie zielen nach unserem Ermessen nach genau auf uns – Hoffnung. Nervoes laufen wir hin und fangen an die Fahrer zu bequatschen was wieder nicht viel hilft. Als aber die Touristen merken worum es geht und es geht alles glatt. Die verrueckten Kanadier, die wir schon in Uyuni an DEM Touristentreffpunkt ueberhaupt getroffen haben, dem Geldautomaten, springen aus dem zweiten Jeep, zuecken ihre Zigaretten und grinsen uns an, eine Schwerinerin die mir schon in San Pedro de Atacama ueber den Weg gelaufen ist huepft aus dem ersten und wilde Gespraeche starten. Am Ende nuetzt mir das erste Mal auf der Reise mein Englisch mehr als das Spanisch und Pamela und Roberto stehen daneben und laecheln, sie verstehen fast nichts. Verwirrt rennen die beiden mir hinterher, auch mal schoen, und ich setze Pamela in den ersten, Roberto in den zweiten und mich in den letzten Jeep – los ging die Fahrt Richtung Uyuni. Wir hatten Glueck, denn wegen des Wetters hatten sie die Touranbieter gebeten erst zur Isla del Pescado zu fahren und dann zum Hotel, nicht anders herum wie sonst ueblich, nur so konnten wir sie um diese Zeit erwischen, sonst waeren sie wahrscheinlich auch am Horizont an uns vorbei gerauscht.
Pamela hatte das beste Auto erwischt – die Kanadier, bei mir geht es eher ruhig zu. Erfahre was es mir der Tour auf sich hat, die wir schon an der Grenze zu Bolivien mit ihrem gigantischen Truck gesehen hatten. Es ist moeglich acht Monate ueber den Kontinent zu fahren, man kann rauf und runter huepfen wo und wie man will und bezahlt dann nur die entsprechende Zeit. In Uyuni angekommen geben wir den Fahrern noch Trinkgeld und sind jeder fuer 25 Bolis anstatt der ueblichen 150 auf dem Salar gewesen – toll!
So ist es doch noch moeglich den naechsten Tag unser Busticket nach Potosí einzuloesen. Ich wuerde gerne etwas laenger bleiben, aber die beiden Chilenen haben leider nicht so viel Zeit und ich entscheide mich weiter mit ihnen zu fahren – wir lachen einfach zu viel…