Es ist warm, krieche aus meiner Haengematte, schlaengel mich unteren denen der anderen Passagiere hindurch und schlurfe zum wiederholten Male an der Frau vorbei, die die ganze Zeit mit einem Kreuz in der Hand mit geschlossenen Augen betet und deshalb nicht mal bei der Essensausgabe ihren Teller in der Hand halten kann und steuere auf das Heck des Schiffes zu wo sich die Duschen, Waschbecken und Toiletten befinden. Eine der Toilettentueren in der hellblauen Schiffswand springt auf und ein kleines nacktes Maedchen mit einem knallgelben Handtuch ueber der Schulter grinst mich an “¡Hola gringos!” - ich bin zurueck auf dem Boot – diesmal zurueck nach Yurimaguas. Ein gigantischer tropischer Gewitterschauer hat mich aus dem puerto Masusa verabschiedet. “It was mental, man – mental!” Reise diesmal mit Thomas, Ravi und Markus. Thomas, ein Englaender, hat mir den Spass an der Englischen Sprache zurueckgebracht. Ravi ist Inder und Markus Hollaender. Alle wollen sie auch nach Huanchaco, zum surfen und arbeiten. Es ist eine schoene Fahrt. Wir klettern oft auf das Dach der lancha, trommeln, jonglieren, lesen und gammeln einfach nur wieder in den Haengematten. Flussaufwaerts dauert die Fahrt 24 Stunden laenger. Es ist also viel Zeit dem Kaffewasser des Flusses beim gurgeln zuzugucken. Oft sieht es aus, als ob jemand gerade frisch Kaffesahne in den frisch duftenden Sonntag-Morgen Kaffee gegossen hat. Die rosafarbenen Flussdelphine begleiten uns wieder streckenweise und Adler gleiten neben uns ueber das satte Gruen des Urwalds. Eine Wasserschlange schlaengelt quer ueber den Fluss. Tiefgruene Palmenblaetter und gelbe Kokosnuesse spiegeln sich im Wasser. Abends leg ich mich oft auf Dach, hoere Musik, lasse mich unter den aufgehenden Sternen entlanggleiten und verliere mich in meinen Traeumen – das Licht des Vollmondes deckt mich zu. Die Ruhe wird nur gestoert von den Fernsehern mit denen dieses Boot leider ausgestattet ist und die zu allem Unglueck auch hin und wieder angehen. Denen bin ich dann ausgeliefert auch wenn ich das Kabel der Box genau ueber meinem Gesicht schon rausgezogen habe und aufpasse das der uebereifrige Matrose es nicht wieder zusammenflickt. Manchmal faengt ein Baby dicht neben mir an zu schreien und mit ihm kraechzen zwei Papageie die ein gelangweilter Passagier in einem der kleinen Doerfer gekauft hat.

In Yurimaguas nach rund 60 Stunden angekommen geht das Gezerre um uns los. Am Ende landen wir auf der billigsten Mitfahrgelegenheit nach Tarapoto – einem Pickup mit Aufbau. Da alle auf der 8 Nuevo Soles Ladeflaeche, nicht aber im 15 Nuevo Soles Inneren mitfahren wollen wird es sehr schnell sehr voll und Ravi, Thomas und ich muessen uns hinten an das Metallgestell ranhaengen. Ravi fuehlt sich als Inder natuerlich wie zu Hause. Eine irre Fahrt, surfend in jeder Kurve geht es wieder rein aus dem Tiefpand in die ersten Huegel nach Tarapoto. Die drei Stunden hinten haengend sind irre anstrengend und darum geht auch am Ziel nicht mehr viel, ausser dass wir mitbekommen, dass die naechste Streikwelle schon wieder im Anmarsch ist, wir also uns vornehmen so schnell wie moeglich am naechsten Morgen Richtung Kueste zu verschwinden. Daraus wird dann nichts, die Ereignisse ueberholen uns und die Polizei faengt schon am Morgen an mit den campesinos zu verhandeln doch die Strasse wenigstens fuer bestimmt Zeiten wieder zu oeffnen. Die wuetenden Bauern haben sich also nicht an die Geruechte gehalten die einzige Strasse nach Westen erst in der kommenden Nacht zu bestreiken.
Haett ich mir auch denken koennen, denn am Vorabend ging es auf dem Plaza schon rund. So geht also das Spiel von vorne los. Wir versuchen heraus zu bekommen wie weit es bis zur ersten Strassensperre ist um den sich um uns streitenden Motortaxifahrern nicht die kompletten Tageseinnahmen mit einer Fahrt zu schenken. “¡Amigo, amigo!” – die sind wir jedoch nicht mehr als wir noch kurz was essen, kurzlebiges Geschaeft, muss man sich dran gewoehnen. Wenig spaeter stehen wir dann vor der ersten Sperre an ein Durchkommen ist nicht zu denken. Die Polizei schirmt die Demonstranten auf der Strasse ab, oder diejenigen die durch wollen von den Demonstranten. Immer mehr Leute kommen uns entgegen “¡No hay paso, no hay paso!”. Rechts der Strasse wuchern riesige Bananenplantagen vor sich hin und auf der linken Seite tuermen sich die Anden hinter den Farmen auf. Die Sonne scheint so nahe wie nie und trotzdem laufen wir los. Den lokalen Kommentaren darf man hier meist kein Glauben schenken, auch wenn fast alle Menschen zurueckkommen gibt es meist einen Weg. An der Polizei und der Menschenkette angekommen schaue ich mich um, alle rennen irgendwie irgendwo hin. Ein riesengrossen Durcheinander. Ein Mann zeigt ploetzlich auf ein Loch im Zaun, einige fangen an in die Richtung zu laufen, die Polizei rueckt vor und scheint in die gleiche Richtung zo wollen um ein Zusammenstossen der Streikbrecher und der Streikenden zu verhindern. Kurzerhand rennen auch wir auf die Zaunluecke zu die auf irgendein Feld zu fuehren scheint. Es muss schnell gehen, denn ist ist weiterhin nebuloes was die Polizei dort treibt. Schmeisse den Ruecksack ueber den Zaun und klettere hindurch und finde mich ploetzlich in einem kleinen Strom von Menschen wieder, der sich seinen Weg ueber die Stege zwischen den unter Wasser stehenden Reisfeldern bahnt. Die Stege sind nur an der Oberflaeche trocken und sehen aus wie Krokodilhaut. Wenn man ueber sie laeuft, ist es weich und man wippt so ein wenig bei jedem Schritt in eine andere Richtung, vor allem wenn man einen gigantischen Rucksack auf dem Ruecken hat. So geht es im Zickzack ueber die Felder, durch mooriges Grass und durch weitere Zaeune. Komme mir vor wie bei einer illegalen Grenzueberquerung. Aber der Pfad fuehrt ueber einen grossen Bauernhof und zwischen riesigen Flaechen auf denen die Bauern Getreide, Mais und Kaffee trocknen wieder zurueck auf die Strasse – hinter die campesinos. Auch hier stehen gigantische Schlangen von Bussen, LWKs und ein paar Autos. Natuerlich war das nicht die einzige Sperre und so geht es weiter. Die naechste wird jedoch einfacher, wir duerfen passieren. Ueber Moyobamba geht es in zwei Etappen in 10 Stunden nach Bagua Grande. Ein Hoellenritt wie sich jeder ausmalen kann der einmal diese kleinen ueberfuellten Micros betreten hat. An eine Weiterfahrt ist also nicht zu denken. So bleiben wir eine Nacht in dem Andental und fahren am naechsten Abend ueber Nacht weiter zurueck in die Wueste nach Trujillo.
Zurueck in Huanchaco ist alles beim Alten geblieben, ausser das Wetter. Es ist kuehl geworden im letzten Monat und wenn die Sonne gerade mal nicht hinter dem Nebel hervorguckt, dann ist es ohne Pullover ein wenig zu kalt – Willkommen in der Nebensaison im Peruanischen Winter an der Kueste! In den Bergen klarrt das Wetter im Winter auf und es ist Hochsaison. Im Urwald duerfte es wie immer heisst sein, auch wenn uns die Leute in Iquitos versichert haben, dass es gerade etwas frisch dort ist – ich habe nichts davon gemerkt. Daller wieder zum Naylamp um die Wellen von meinem Zelt hoeren zu koennen. Es sind entspannte Tage zwischen Zelt, Haengematte mit meinem Buch, Slackline, Eis, Kaffee und den leckeren Schokokuchen und Apfeltorten unten an der Rezeption. Der Campingplatz ist fast leer, nur Joe und Mary – zwei Kanadier – sind noch da. Die Abende auf der Terasse zusammen mit zwei anderen Maedels werden lang und laenger und die Sache um jeden Tag entspannter, so dass es mir schwer faellt wieder loszureisen. Der Ort ist fast leer, viele Amerikaner sind doch da die den Kindern hier Englisch beibringen und surfen. Die Leute sind entspannter. Die Crew des Naylamp hat wenig zu tun aber Rumi, der gigantische Wachhund, haelt alle in Bewegung. Sie fangen ihn gerade an zu erziehen. Ist noch einiges zu tun bis er nicht mehr Kekse, Kornflakes oder Fruechte aus der Kueche oder aus meinem Zelteingang klaut. Huanchaco wird in den Tagen neben El Bolsón zu einem meiner Eckpunkte meiner Reise, solch Orte in denen man sich zu Hause fuehlt, sehr schwer wieder loskommt und bestimmt wieder zurueckkehrt wenn man in der Naehe ist.
Doch bin ich ein wenig muede. Bis Caracas ist es noch ein Stueckchen. So werde ich wohl Dienstag den Nachtbus nach Piura nehmen und dann irgendwie ueber Ecuador nach Bogota, Kolumbien, duesen um danach so schnell wie moeglich hoch in die Karibik zu kommen.
Bekomme gegen alle Verheissungen saemtlicher Taxifahrer trotz Semana Santa ein Ticket gen Norden. Die Busfahrt nach Trujillo ist toll – die Peruaner schaffen es ohne Sauerstoff in einem Raum zu ueberleben. Mir geht es dabei denkbar schlecht. Aber da so eine Fahrt endlich ist, sitze ich bald gluecklich bei Schokokuchen, Fruchtsaft und Kaffee im Mercado Central in Trujillo und wenig spaeter im Micro nach Huanchaco, dem Bade- und Surfort an der Kueste. Auch hier ist noch alles Wueste. Es ist schoen wieder das Fauchen des Pazifik zu hoeren. Die schroffen Wuestenberge an der Kueste sind immer im Nebel verhuellt, nur die Spitzen gucken heraus. Die Kakteen zwischen den Haeusern wiegen in der leichten Briese und die Surfer schwimmen wie Treibgut vor der Kueste hin und her – immer wartend auf DIE Welle. Schlage mein Zelt im Naylamp auf und mache es mir fuer zwei Tage bei Kaffee und Honigcrackern an der Kueste gemuetlich. Fahre noch zu zwei Pyramiden in der Naehe von Trujillo, Huaca del Sol y del Luna, die von der Moche Kultur zeitlich kurz nach der Nazca Kultur erbaut worden sind. Mein Anti-Inka Programm setzt sich also fort – es ist ein Spiel und irgendwie mein Dickkopf gegen diesen absurden Tourismushype um ein paar alte Steine rund um Cuzco. Zum Abschied vom Meeresrauschen esse ich noch einmal Ceviche welches hier viel schaerfer ist als in Chile und mit Kartoffeln und anderen Sachen serviert wird, die ich noch nicht identifiziert habe. Es ist eine Art Andensushi bei dem der Fisch fast roh mit Zitrone zubereitet wird und dazu gibt es je nach Region alles moegliche.
Am naechsten Morgen um 6 Uhr geht es dann los, mache es mir in meinem Sitz bequem und versuche mich zu entspannen, denn die Strasse haelt alles, was ich bisher von Gebirgsstrassen in Peru gehoert habe – sie ist schmal, matschig und abwechelnd geht es rechts hoch und links runter, oder halt recht runter und links hoch. Versuche mich an dem Anblick von beaengstigender Tiefe gleich neben meinem Fenster zu gewoehnen – die Strasse ist nur selten zu sehen, die Raeder kriechen den Abhang entlang. Nach den ersten vier Stunden erreicht der Bus mit mir, der langsam anfaengt mit dem Sitz zu vereinen, Celendin – den ersten groesseren Ort auf der Strecke. Es steigen ein paar Leute aus und ein paar dazu. Unter ihnen sind zwei Spanische Feuerwehrmaenner aus Barcelona – Ricardo und Fernando, die mit ihrem Vater – Antonio – durch den Norden von Peru reisen. Interessant wird es, quatschen viel herum und mein Glueck mit den Leuten die ich treffe scheint nicht abzureissen. Es geht den Berg in unendlichen Schlaengellinien hoch und wieder runter. Ueberall stehen Kakteen aller Form und Groesse zwischen dem niedrigen Straeuchern und Bueschen – manche aehneln Baeumen und sind bis zu 8 Meter hoch. Der Boden ist weiterhin lehmig und manchmal wird meine neu-erworbene Entspannung bezueglich der Strasse arg auf die Probe gestellt. Wir passieren Balsas, einen kleinen Ort im Tal der komplett mit Bananenstauden und Papayabaeumen ueberwuchert ist, bevor es nach einem grossen braunen sich dahinwaelzenden Fluss wieder den Berg hoch geht. Gleich nach der Bruecke kommt uns schon ein Pickup entgegen, die Leute hinten auf der Ladeflaeche rufen uns zu, dass der Pass verschuettet ist. Ich kann es noch nicht glauben, alles gucken sich etwas fragend an, aber unsere beiden Fahrer fuehren ihr Kunststueck weiter fort und steuern zielsicher die immer duenner und hoeher werdende sich unendlich viele Male windende und schlaengelnde Strasse herauf. Sie ist wirklich gesperrt. Zwei Bagger sind gerade dabei den schmalen Grad irgendwie wieder freizuschaufeln – Steine stuerzen in die Tiefe, hallen in den Felswaenden wieder. Also machen wir es uns erstmal bequem. El Peru Avanza ist kraeftig am wirken, aber 17:00 soll Feierabend sein – also hoeren die Arbeiter 16:30 auf zu arbeiten und ruecken ab – El Peru Avanza, heute aber nicht nach Chachapoyas. So machen wir es uns auf der Strasse bequem, schicken ein Auto runter um etwas zu Essen zu kaufen und zuenden ein Feuer an.
Unter den Sternen gibt es calletas und Papayas aus dem Dorf – mehr war nicht aufzutreiben. Schlafe mit Fernando und Ricardo in der sternenklaren Nacht auf der Strasse waehrend die aufgeregten Frauen im Bus uebernachten. Am naechsten Morgen tauchen die Bauarbeiter ueberraschend frueh auf, naive Hoffnung keimt auf, wird aber wenig spaeter wieder zerstoert. Die Jungs sind zwar da, koennen aber nix machen weil der Baggerfahrer mit dem Praesident der Amazonasregion erstmal wegfaehrt – Kontakte knuepfen. So stehen die Maennchen mit ihren orangen Jacken wie eine Perlenkette vor dem Schutthaufen auf der Strasse und doesen. Drei Stunden spaeter taucht der Fahrer wieder auf, hat Benzin und ein neues Rad fuer sein Fahrzeug mitgebracht. Der Praesident des Amazonas-Destriktes schreitet erhobenen Hauptes an uns vorbei, eine ganze Horde von krumm-rueckigen Typen hinterher. Einer laesst im Auftrag des Herrn Praesidenten drei Papayas bei den Gringos – was ein Schauspiel. Der Truck mit dem Rad wird wie von Zauberhand innerhalb einer Stunde auf der schmalen Passtrasse umgedreht – was fuer ein gigantischer Unsinn, denn zum Bagger kommen sie mit dem Ding wegen unseres Busses und einem anderen Laster soweiso nicht durch – Peru. Wenn man hier also eines lernt, dann ist es sich zu entspannen. In der Mitte des Tages passiert dann doch ein Wunder, frueher als erwartet geht es weiter. Wir muessen ein paar Mal aussteigen, weil die Strasse zu eng ist und es im Bus zu gefaehrlich gewesen waere. Da unsere Fahrer ihren rechten Aussenspiegel an einer Felskante in einer Kurve verlieren, kriechen wir ohne diesen ueber den 3900 Meter hohen Pass und stehen Stunden spaeter kurz vor Chachapoyas vor der naechsten zugeschuetteten Fahrbahn. Es ist schon dunkel und keiner hat Lust noch eine Nacht auf der Strasse zu verbringen, also rueber ueber den Lehmabgang, rein in ein Micro und ab nach Chachapoyas. So waren es fuer mich statt der angekuendigten 12 Stunden Fahrt fuer die rund 300 Kilometer von Cajamarca nach Chachapoyas epische 40, da koennen die Argentinier in Bolivien, die fuer die Strecke Villazon nach Potosi 27 anstatt der angekuendigten 10 gebracht haben, nicht mithalten.
Von Chachapoyas aus, was noch auf ueber 2000 Meter liegt, fahren wir zur Pre-Inka Festung Kuélap, in der mehr Steine verbaut sein sollen als in den Pyramiden von Gise, und gehen abends noch weg, Los Troncos heisst der Schuppen und scheint der angesagteste der Stadt zu sein. Jedenfalls haben das alle auf dem Plaza de Armas unendliche Male im Kreis laufende gesagt die wir gefragt haben. Aber wir sind in den Bergen, weit weg von groesseneren Staedten, auch wenn es die Hauptstadt des Destrikes ist. So sind nur Paare auf der Tanzflaeche und wir muessen uns erstmal damit begnuegen ein jarre Pisco-Sour nach dem naechsten zu trinken. Peru ist bei einigen, bei vielen Angelegenheiten speziell. Hier ist es nicht moeglich, dann eine Frau und ein Mann freundschaftlich zusammenleben. Wenn ich erzahle, dass ich mit einer Freundin in Berlin wohne ernte ich nur Augenblinzeln, Schulterklopfer und Grinzen. Auch wenn ich beteuer, dass es eine Freundin ist, geht das nicht in den Kopf der Peruaner rein – unmoeglich! Man(n) geht hier auch nicht einfach mit einer Freundin mal weg – unmoeglich! Junge Frauen und Maenner machen hier nichts anderes miteinander als ihrer konservativen Geschlechterrolle gerecht zu werden. So passiert es auch oft, dass Maenner die in einer Wohnung zusammenwohnen fuer schwul gehalten werden, wieso sollten sie sonst unter einem Dach leben?! Spaeter kommt der Abend noch ins Rollen, so dass wir am naechsten Tag auf der Wanderung von Pedro Ruiz aus zum Gocta, den dritt-hoechsten Wasserfaellen der Erde, ziemlich alt aussehen. Schoen ist es trotzdem und ich bekomme die groesste und hoechste Dusche meines Lebens.
Den Tag darauf findet sich ein Bus nach Tarapoto, dem wirtwschaftlichen Drehpunkt des noerdlichen Jungels. Die Verkehrmittel werden rarer. Tarapoto liegt auf 500 Meter, so geht es die meiste Zeit der acht Stunden bergab. Es wird waermer, die Wolken steigen hoeher und die Palmen werden zahlreicher. Ueberall neben der Strasse trocknen die Leute Mais, Café und irgendwelche nussartigen Kugeln. Gluecklicherweise ist es bewoelkt, aber als hin und wieder die Sonne aus den Wolken guckt kann ich mir eine ungefaehe Vorstellung machen, was noch auf mich zukommen wird. In Tarapoto angekommen muessen wir laut sprechen und das immer, denn sonst ist das eigene Wort bei dem hoellischen Laerm der Motortaxis nicht zu verstehen. Es gibt nur sie, fast keine Autos. Die Haeuser im Zentrum haben meist drei bis vier Stockwerke in denen der Schall sich wunderbar wohlfuehlt. Nachdem wir am Abend noch am Stadtrand bei einer Party waren kann ich auf dem Dach in meiner Haengematte wegen meinen motorisierten Freunden nur schwerlich schlafen. Die Hitze tut ihr uebriges.
die Sonne steht tief, tunkt alles in ein warmes Licht. Stecke meinen Kopf so weit wie moeglich in den Fahrtwind – es ist wunderbar. Dieses Gefuehl hat mir auf der Reise bisher gefehlt, bin an einem Ort angekommen der meines Fernwehs Ursprung zu sein scheint. Das Motortaxi rast durch die Kurven und ich tauche schwungvoll ein in eine Welt, in der ich noch nie war, die mich verzaubert, umarmt und in ihrer vollen Schoenheit begruesst. An den naechten vier Streikposten kommen wir auch vorbei, manchmal eine Gebuehr bezahlend, jedes Mal das kleine Stueckchen zwischen den Dorfern mit dem Motortaxi flitzend. Ploetzlich wollen uns unsere Fahrer nicht weiterbringen weil sie meinen, dass sie die naechste Kurve nicht passieren koennen. Es sei ein anderes Dorf sagen sie. Mehr bekomme ich aus den beiden nicht heraus – Peru. Also Rucksack wieder auf den Ruecken und ab durch den Dschungel, eine Abkuerzung die zum Glueck kurz vor 30 de Agosto, dem naechsten Dorf, wieder auf die Strasse fuehrt. Dort wollen uns die Einheimischen aber nicht mehr durchlassen. Es gibt kein Transport sagen sie, wir sind vorher an mindestens drei Motortaxis vorbeimarschiert. Also heisst es entspannen. Zu Essen gibt es in dem Dorf reichlich. Ganze zwei kleine Tueten Kekse, eine Flasche Wasser und eine Cola koennen wir auftreiben. Da sich hier gar nichts bewegt geht es erstmal ab zum Fussball mit den Einheimischen. Die Sonne geht langsam unter, streichelt den Nebel hinten an den Bergen und laesst die Wolken in verschiedener Hoehe in allen vorstellbaren Orangetoenen erleuchten. Die unzaehligen Insekten zirpen aus den Graesern, nur uebertoent von einer Ansage eines Lautsprechers, dass um zehn Uhr eine Versammlung abgehalten werden soll. Zwei Stunden spaeter kommt zum Glueck doch noch ein Laster auf den wir aufspringen koennen, der eine Genehmigung hat die Posten zu passieren. Rund 50 Leute sind schon auf der Ladeflaeche, aber ein wenig Platz ist noch und so gelangen wir am spaeten Abend, zum Glueck von Antonio – der mit seinen 54 Jahren dieser Odyssee der letzten Tage nichts mehr abendteuerisches abgewinnen kann, nach Yurimaguas, dem Abfahrtsort der Boote nach Iquitos.