In La Paz angekommen geht es erstmal direkt zum alojamiento “El Carretero” in dem Roberto vor zwei Jahren schon einmal war. Der Taxifahrer kennt den Namen sofort. “¿Que onda locos?” – die Tuer geht auf und ein grinsender Bolivianer oeffnet die Tuer. Den Abend duesen wir noch ein wenig durch die Stadt und am naechsten Morgen sitzen wir im Bus nach Sorata, rund 150 Kilometer im Nordosten der Stadt.
Zuerst geht es Richtung Norden aus dem alten Stadtkern von La Paz, eine unendliche Serpentine zwischen gebrannten Lehmziegelhaeusern hindurch von 3600 Metern auf 4000 nach El Alto La Paz. Dieser neue Teil ist entstanden, weil im Talkessel kein Platz mehr war. Oben angekommen scheint der Trubel noch viel intensiver als im Stadtkern. Drehe mich um, der Illimani wacht im Hintergrund ueber dem unendlichen Haeusermeer welches sich wie Moos an den Haengen des Tals klebt. Weiter geht es ueber das Altiplano in Richtung des Lago Titicaca – vorbei an Einpersonenlehmziegelfabriken, ovejas und vereinzelten Huetten. Hin und wieder kann man campesinos sehen, die alleine ihren Acker beschuften – diese Szenerie erinnert mich stark an die laendlichen Gegenden in China. Rechts begleitet uns immer die Cordillera Real welche sich im Osten der Stadt wie eine Mauer von Sueden nach Norden zieht. Die schneebedeckte Giganten werden von den aufkommenden Wolken umschmeichelt.
Hinter der Bergkette faellt das Altiplano hinab in die Yungas. Wir passieren eine Ecke des Lago Titicaca und fahren direkt auf Illampu (6368 Meter) und den weniger bekannten Janq’uma (6427) zu die zusammen wie ein uebermaechter Waechter ueber Sorata tronen. Kurz vor Ende der Fahrt, der Transporter ist mittlerweile bis zum Zerbersten gefuellt, geht es eine nicht enden wollende Serpentine wieder hinab auf 2700 Meter. Wir tauchen durch die Wolken und finden uns ich einem satten Gruen wieder. Das Tal scheint unendlich tief, Haeuser sind nur kleine Punkte irgendwo da unten. Nebelschwaden und Wolken ziehen durch das Tal und ab und zu bricht die Sonne durch und zaubert eine magische Stimmung zwischen die Berge. Doch ich werde wieder aufgeweckt, unzaehlige Erdrutsche haben die Strasse teilweise fast unpassierbar gemacht und so rumpelt der kleine Bus hin und wieder durch und ueber matschige Lehmabgaenge. Auch der Rest der Strasse scheint nicht fest, Wasser fliesst von den Anhoehen und der naechste Abgang scheint nur eine Frage der Zeit. Im Tal steht, wie auch in La Paz, viel Eukalyptus um die Haenge zu befestigen.
Sorata ist klein und das von der Tourismusstrategie auserkorene Trekkingzentrum des Landes.
Das fuehrt dazu, dass an alles Enden des Marktplatzes guias stehen und ihre Dienste anbieten. Es gibt eine Trekkingtouristeninformation in der die Preise fuer die Touren doppelt so hoch sind und in der ich gesagt bekomme, dass es voellig unmoeglich und polizeilich verboten ist alleine die den Berg hochzurennen – natuerlich! Abgefahren wird es nur, wenn ich spaeter hoere, dass die Touristen die noch nie den Pfad gegangen sind ihn besser finden als der Guide und die Gruppe vor dem Verlaufen retten muessen. Abends hat der Guide dann geweint – skurril. Die Preise sind nicht besonders hoch, uebersteigen aber mein Tagesbudget knapp und so kommt nur in Frage alleine zur Laguna Glacial hochzulaufen. Bin nur noch ein wenig skeptisch, ob dass koerperlich mit Rucksack moeglich ist, denn von 2700 Metern auf rund 5000 ist eine andere Geschichte als von Mehresniveau auf 2000 Meter.
Erstmal machen wir es uns im Casa Reggae gemuehtlich, einem kleinen alojamiento mit einem Hund, mehrern Katzen, einem Affen der auf den Namen Wilson hoert (oder auch nicht) und Freunde daran gefunden hat die kleinen Katzen zu knuddeln und sie hinter sich herzuschleifen und einer Gruppe abgefahrener Franzosen die den ganzen Tag avangardistische Revolutionsmusik hoerend rumartesanian. Als ich sie dann frage, was die Texte so bedeuten, weil ich nur Kalaschnikov und irgendwelche Jahreszahlen verstehe werden sie stutzig, gucken runter und stammeln rum – erfahren habe ich es nicht, ich glaube sie sind ziemlich schuechtern und nur hier in den Bergen cool. In unser Zimmer kommen wir ueber Holzbretter an der Aussenwand und der Ausblick ist gigantisch. Wir gucken direkt das Tal hinab und die Wolken ziehen auf Augenhoehe vor der Feldern an der anderen Talseite vorbei. Irgendwo da hinten kriecht ab und zu ein kleines Auto den Berg entlang.
Wir dallern die Tage ueber durch den Ort, schaffen es wegen dem allgemeinen Spass nicht zur Gruta de San Pedro und fahren nach zwei Naechten wieder nach La Paz. Habe mich nach ein paar Spaziergaengen durch das bergige Sorata entschieden, dass es noch unmoeglich ist mit vollem Gepaeck ueber die Wolken zu steigen, wenn ich nicht irgendwann rueckwaerts wieder den Pfad runterpurzeln will weil mir die Luft ausgegangen ist.
Zurueck in La Paz und im “El Carretero” ist der Innenhof voller Leute, Floetenspiele, Trommeln hallen und ein Akkordeonspieler springt herum. Die Mitarbeiter wuseln mitten in den Leuten herum. Wir bekommen wieder ein Zimmer zur Strasse heraus und machen es uns am letzten Abend gemuehtlich. Muede bin ich, und so kommen wir leider am Samstag Abend nicht mehr vor die Tuer. Am naechsten Morgen muessen Pamela und Roberto leider ueber Arica zurueck nach Hause nach Chile. Die Stimmung ist trotzdem ausgelassen und herzlich. Dann sind die beiden verschwunden, muss mich erstmal wieder neu orientieren, bin wieder alleine – das ist gut, aber trotzdem sind sie mir ans Herz gewachsen und ich hoffe vor einer Stunde hat nicht das letzte Mal Robertos Gelaber und Pamelas Lachen in meinen Ohren geklingelt. Abschied.
