Kosmonaut im Farbsternregen

Ausgedrueckte Eindruecke

Stop auf dem Mond März 6, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 4:43 vormittags
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cardonMontag Abend sitz ich also im Bus nach Chañaral, welch Unterschied in meinem Atacama VIP Bus zu der Schaukel von Osorno nach Santiago. Der Preis ist pro Kilometer sogar niedriger - verstehe wer will. Vieleicht weil ich mir vor dem einschlafen Rambo I anschaun muss und mit den Jungelscenario in Burma gleich weiche Knie fuer meine Plaene in Bolivien, Peru und Ecudaor bekomme – so ein Schwachsinn! Dann darf ich doch endlich schlafen und als ich Dienstag meine Augen oeffne saust der Bus durch die Wueste – alles trocken, Steine, Fels und Steinfelshuegel und hier und da mal ein paar Straeucher. Das Gebiet ist hauptsaechlich wegen den Kupferminen besiedelt welche zum grossen Teil fuer den Wohlstand im Land verantwortlich sind. Mittags um eins komm ich dann endlich in Chañaral an und stelle fest, dass ich mich nicht um mein Geld gekuemmert habe, es herrscht Ebbe und kein verdammter ATM in Sicht der meine VISA Karte mag. So kann ich mir den Parque Nacional Pan de Azucar wohl klemmen, kaufe mit dem restlichen Geld noch ein Ticket fuer die naechste Nacht nach Calama, also weiter nach Norden. Nach trampen ist mir nicht wirklich - zu wenig Wasser. Steige noch auf die nahegelegenen Huegel um bessere Aussicht ueber die Kuestenfelsen, den unendlichen Strand und die verstaubten Holz- und Lehmhuetten zu haben und darf von meinem Aussichtspunkt beobachten wie sich ein Typ mit Sonnenbrille an meinem Rucksack zu schaffen macht: “¡Ey chico!” – zerfetze mir meinen Flip-Flop beim Abstieg und kann mir irgendein Gestammel von dem Typen anhoeren. Zum Glueck hat der nicht viel geblickt sonst haetter er wohl sehen koennen, dass ich mit meinen Latschen keine Bergziege bin - jetzt haelt eine Sicherheitsnadel die linke Gummisohle zusammen.
In Calama am naechsten Morgen ankommend stelle ich fest, dass mein Zug nach Uyuni nicht mehr faehrt, ich anstatt dessen ein Bus nehmen muss oder doch den Umweg ueber Arica und den Parque Nacional Lauca nehmen koennte. Will den Park im Norden von Chile mit seinen 6000 Meter hohen Vulkanen unbedingt sehen. Vieleicht aber auch, weil ich mit Sorge auf den Wetterbericht fuer Bolivien gucke der nichts anderes als Regen bei 5 Grad von sich gibt. Schlussendlich kaufe ich dann aber doch ein Platz im Bus – denn immer wenn ich mir irgendwie unsicher war und nicht so recht wusste was mich erwartet, dann wurde es immer am Allerbesten. Am Abend geht es dann weitere 100 Kilometer nach Osten nach San Pedro de Atacama, dem Touristenmecca der Wueste, was besseres ist mir bisher noch nicht eingefallen. img_8339Der Bus quaelt sich den Berg hoch und wieder runter – schoen langsam, unzaehlige Reifen am Strassenrand die von der Sonneneinstrahlung schon fast aufgeloest sind, lassen erahnen warum. Der Ort ist eine Oase mit rund 2000 Einwohnern, moeglich durch einen Fluss der vom Altiplano im Nordosten runterkommt. Ueber San Pedro tronen bis zu 6000 Meter hohe Gipfel und der Volcán Licancabur mit seinen 5950 Metern. Der Ort selber liegt auf rund 2500 Metern, aber die nahen Berge scheinen nur einen Katzensprung entfernt und hoechstens 2000 Meter hoeher als der Ort. Doch die duenne Luft laesst die Wahrnehmung verschwimmen. Fast jeden Nachmittag ziehen Wolken von der Kueste kommend ueber den Ort und setzen sich am Hochland fest, schaffen ein einzigartiges Szenario - die Lehmhuetten scheinen in der Abendsonne zu brennen doch ueber dem Ort haengen magisch die dunklen Wolken. Die Wueste selbst ist eine Unendlichkeit von Steinen, Lehm, Schotter- und Salzfeldern und ausserirdischen Fels- und Lehmformationen. Valle de la Luna und Valle de la Muerte sind zwei Beispiele verrueckter Dali’scher Landschaftsvisionen die hier auf ihre Wirklichkeit treffen.
Renne ein wenig durch den Ort und suche dem Camping Los Chanares, den mir ein Chilene im Internetcafé neben Martin in Australien empfohlen hat. Stelle mein Zelt auf, werde gleich wieder von Chilenischen Nachbarn eingeladen, renne am Abend noch ein wenig durch den Ort und entscheide mich am naechsten Tag ein Fahrrad zu leihen um damit durch die Wueste zu strampeln. Aus dem fruehen Start am naechsten Tag wird nichts denn eine sehr eifrige Chilenin hatte sich irgendwann in der Nacht entschieden mich aufwecken zu wollen - tut sie dann auch. img_8333Durch die Hoehe fuehlen sich vier Schlucke Wein an wie eine ganze Flasche und nach denen kann ich ich sie dann doch ueberzeugen, dass da grad kein Platz in meinem Zelt ist und sie verabschiedet sich mit einem gelallten “Fuck you!”. Keine Ahnung wie sie das meinte. Am naechsten Morgen leihe ich mir ein Fahrrad und radel durch die Wueste. Leider habe ich zu wenig Wasser mit und so wird eine Orange eines Chilenen die ich zufaellig im Nirgendwo treffe ein sehr willkommener Notnagel. Zwischendurch strampel ich dann auf einer Hochebene durch immer wechselne Felsformationen ueber den teilweise sandigen doch zum Glueck meist recht festen Lehmboden. Yawning Man auf den Ohren romantisiert meine Fahrt durch die Sonne zusaetzlich, Wassermensch ohne Wasser faehrt durch wasserlose leblose Landschaft mit einem Erzeugnis der Moderne auf den Ohren - bizarr. Nur als zum Schluss ich arg durstig werde und die letzten Kilometer auf der Strasse in 2800 Meter Hoehe sich schrecklich lang ziehen, wirken die klimpernden und verzerrten Wuestenriffs in die entgegengesetzte Richtung und ich wechsel schnell zu The Doors. Nach rund 45 Kilometer Wueste, inklusive einem kleinem orientierungslosen Seitentripp komme ich dann wieder in San Pedro an stuerze ausgetrocknet in die erste tienda – Apfelsaft! – so sind der Freiheit natuerliche Grenzen gesetzt. img_8334
Am Abend habe ich neue Nachbarn auf dem Campingplatz, heisst, ploetzlich habe ich eine Moeglichkeit umsonst zu den hoehsten Geisieren der Welt zu kommen - ohne Tour und so. Freitag, eigentlich wollte ich heute die zweite Fahrradtour zu Valle de la Luna machen, aber irgendwie ist es nicht moeglich – zu heiss, zu erschopft noch von gestern, die Hoehe zollt ihren Tribut. Also verbringe ich den Tag lesend und naehend, denn ich habe in Santiago keinen neuen Rucksackregenmantel bekommen. Und so naehe ich Streifen der Traeger meines kleinen Rucksacks an meine zu kleine Haube und bewundere das Treiben der Chilenen mit ihren Autos in der Naehe. Am Abend sitze ich mit zwei Chilenen in der Kochecke – traeume irgendwann zum Zelt und sehe ploetzlich, dass nur noch einer meiner zwei (!) Wanderschuhe da ist. Ein Hund scheint den Schuh geklaut zu haben. Renne ueber den Platz, die Jungs des Camping suchen mit ihren Funzeln mit – doch nichts. So stehe ich ohne Schuhe da, meine Flip-Flops mal ausgenommen.
Quatsche noch mit den zwei aus Alaska die ich zwei Tage zuvor zum Camping gelotst habe und leihe mir erstmal fuer den kommenden Morgen Schuhe, sonst kann ich die Tour zu den Geisieren auf 4320 Metern um vier Uhr morgens vergessen. Der Wecker klingelt, 3:30 Uhr und wenig spaeter finde ich mich auf den neunzig Kilometern bergauf zum El Tatio wieder. Die Strasse es beschissen, wir brauchen geschlagene drei Stunden in der Dunkelheit, sind aber trotzdem noch puenktlich dort. Bin dann mal kurz Chilene und komme unter den strengen Augen der Parkwaechter mit dem Chilenischen Studentenrabatt durch. Das Thermalfeld ist auf der einen Seite von schneebedeckten Bergen und im Westen von giganischen roten Sandhuegeln. Laufe mit den anderen durch die blubbernden Pools und die zehn Meter hohen Rauchsaeulen und Schwefeldaempfe, aber irgendwie ist es nicht interessant. Sebastián, Oscar und die anderen rennen einfach zu schnell, machen ihre Facebookfotos und sind schnell am Ende. Schlender hinterher und springe erstmal, bevor es alle anderen Touristen der mindestens einhundert es tun in die Pools. Als es gerade schoen wird, die Tourjeeps verschwinden, die Sonne durch die Schneewipfel lukt und das grasige Hochland ploetzlich in ein magisches orange getaucht wird, wollen die anderen wieder los – Tourigeschwindigkeit. Weiter die Haenge wieder runter, kreuz und quer durch die Wueste, an llamas, vicuñas und flamencos vorbei nach Machuca, einem ehemaligen Indiodorf, dass nur noch betrieben wird, weil jeden Tag dutzende Touristen vorbeikommen um Lamaspiess zu essen. Was fuer eine grosse Scheisse – die Leute bekommen es doch tatsaechlich fertig hinter die Haeuser der Indios und in den duennen Grasstreifen neben dem lebensspendenden Fluss mitten in der Wueste zu pissen - obwohl eine Toilette da ist. vicunaHalte mich weit abseits und quatsche mit einer Muenchnerin, die ich oben in den Pools getroffen habe. Es ist nur peinlich und ich sehe mich in meiner Haltung gegenueber solch Touren bestaerkt – wie im Zoo – ich hasse es! Auf dem Weg nach San Pedro nehmen wir noch eine alte Indiodame trampender Weise mit und sind nun zu viert auf dem Ruecksitz und ich kann noch kurz im uralten Kaktuswald in der Naehe von Guatin einen riesigen cordón umarmen. Zurueck in San Pedro weiss ich nicht, was mir jetzt mehr gebracht hat, die Tagestour oder meine Nadelarbeit am Vortag. Tendiere doch stark zum Letzteren.
Mein Schuh ist immer noch nicht wieder aufgetaucht, renne den Tag ueber den Zeltplatz, in die umliegenden Haueser und Hinterhoefe – nichts, und so ist der Hund der erste der mich in Sued Amerika beklaut hat. Entscheide mich nicht mit Flip-Flops auf’s Altiplano nach Bolivien zu fahren wo mich Regen und Temperaturen um die fuenf Grad auf 4000 Metern erwarten und so muss ich wohl oder uebel versuchen am Sonntag in Calama neue Schuhe zu bekommen – es gibt sicher einfacheres, aber Bolivien ist kein Option neue Wanderschuhe zu bekommen – jedenfalls nicht vor La Paz oder Santa Crus de la Sierra.

 

 
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