Kosmonaut im Farbsternregen

Ausgedrueckte Eindruecke

Bolivianisches März 30, 2009

Einsortiert unter: Eindruecke,Tagebuch — Sebastian @ 11:15 nachmittags
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Wieder zurueck in La Paz merke ich erstmal, dass ich mir eine schoene Erkaeltung eingefangen habe. Neben mir sitzt ein Typ von irgendeiner Peruanischen demokratischen Befreiungsfront. Rosa Luxemburg, Mao, Kuba, Betancourt, Ché Guevara, dignidad nacional, cambio und vieles mehr torkelt ueber die Blogseiten meines Nachbarn. Ein kleines Maedchen kommt an, tippt ihm auf die Schulter, will Schokowaffeln verkaufen, er drueckt sie mit dem Ellbogen weg, wuerdigt sie keines Blickes. Wir sind ja auch nicht in Peru, Bolivien muss ja nicht befreit werden. Die Endlichkeit des Menschen ist sein grosses Plus, aber auch sein groesstes Manko.

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La Paz. Es ist die erste Grosstadt in Sued Amerika in der es mich laenger haelt, aus der ich nicht gleich wieder weg will, weil ich mich langweile, die Stadt kein Charakter hat oder weil sie von den anderen nicht zu unterscheiden ist. Gut, Smog gibt es in La Paz, wie auch in den anderen, viel zu viel. Immer wieder kriecht ein alter Laster neben mir die engen Gassen entlang und vernebelt alles, macht es fast unmoeglich zu atmen. Aber die Stadt pulsiert, alles geht in einem taeglichen Chaos unter. img_8778Ueberall, an jeder Strassenecke, auf jedem noch so schmalen Buergersteig, und davon gibt es in La Paz nicht wenige, sitzen die Cholitas und versuchen alles was geht an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Joghurt in kleinen Plastiktueten, Toilettenpapier, Nuesse, getrocknete Bananenscheiben, Schokoriegel, Pringles, Batterien, Getraenke, Telefongespraeche, Schluesselanhaenger, Fruchtsaefte, DVDs, Shampoo, Fruechte, Broetchen, Steckdosen, Buecher und vieles mehr. Auf den Maerkten ist oft nur mit viel Uebung ein schnelles Durchkommen moeglich.
Der Stadtkern liegt auf ungefaehr 3600 Metern und zu drei der vier Seiten wachsen die Haeuser an den Haengen des Tals entlang. Hochhaeuser gibt es kaum, nur ein paar im Zentrum. Fast alle Haeuser sind aus gebrannten Lehmziegeln und je weiter man sich von der Innenstadt entfernt, desto seltener sind diese auch verkleidet. So taucht sie Abendsonne die Haenge immer in ein dunkles warmes orange. Ueberall wirbelt es. Es fahren mehr Trufi-Taxis und Dodge-Busse herum als Privatautos, die hier im Gegensatz zum bunten Cochabamba meist gruen sind. Aus den Kleinbussen guckt immer ein Gesicht aus dem Seitenfenster und plappert in Weltrekordgeschwindigkeit die Fahrtrichtung und Preis. Zu verstehen ist das nur, wenn man sich vorher die Schilder in der Windschutzscheibe durchliest. Die Minibusschreier sind meist ziemlich fertig, rote Augen und wahnsinniges Gesicht – kein Wunder, denn sie scheinen das ohne Pause den ganzen Tag lang zu machen.
Wenn man sich einmal durch diese Schwaerme von Minibussen gekaempft hat stolpert man im Zentrum oft ueber Fossilienverkauefer. Meist sitzen oder stehen sie irgendwo herum und wenn man naeher kommt, dann reagieren sie wie auf Knopfdruck. Sie heben langsam den Kopf, die Augen scheinen sich gerade nach einem tausenjaehrigen Schlaf zu oeffnen und sie hauchen einem ein “¿¡Fósiles, fósiles?!” entgegen. In der Stimme liegt jedes Mal eine Mischung aus Verwunderung, Erstaunen und Erfurcht – als ob sie diesen kleinen Stein gerade eben im Strassengraben gefunden haben und nun nichts weiter mit ihm anzufangen wissen als ihn den Touristen geheimnisvoll zum Verkauf anzubieten – extraklasse, die Jungs!
Ueberall treibt die Armut ihre Blueten. img_8651Manchmal sind es ganz irre Gestalten die einem trotz den Elends ein Laecheln ins Gesicht zaubern. Keine Phantasiefigur koennte orginaler sein. Da ist zum einen der alte Opa ohne Zaehne, der jeden Tag mit einer Rassel laechelnd auf einem Tuch in der Fussgaengerpassage sitzt und rasselnd bettelt. Jedes Mal wenn ich an ihm vorbei komme koennte ich ihn umarmen, so herzerwaermend ist sein Laecheln. Ich belasse es dann immer bei zwei Bolivianos, da ich ihn leider nicht verstehen kann. Wenn man weiter geht, trifft man oft einen ebenso alten Mann mit einer gigantischen goldenen Ray Ben Truckersonnenbrille. Er ist zu hundert Prozent aus Emir Kusturicas “Schwarze Katze, weisser Kater” entsprungen, ueberhaupt gar keine Frage. Dann kann man immer einen Jugendlichen auf der anderen Seite der Fussgaengerpassage sehen, der neben einem Stand mit Tokyo Hotel Plakaten (ja auch bis hier hat es das Marketingkonzept geschafft – Lehrbuchreif wenn auch bestimmt mit viel Glueck) mit einem DVD-Spieler und einer kleinen Box bewaffnet jeden ambitionierten Karaokefan in Bedraengnis bringt. img_8650Immer wild sein Gewicht von einem auf den anderen Fuss hin und her wippend und dazu sein Kopf wie Pur Saenger Hartmut Engler auf Kokain hinterher zerrend, versucht er, dem Text aus seiner Box zu folgen. Das gelingt ihm praktisch nie, auch wenn er jeden Tag die gleiche CD spielt. Darum begnuegt er sich meist mit seinem expressiven Tanz, schwingt sein Mikrofon vor seinem Gesicht hin und her und reisst sein Mund ab und zu wild auf. Hin und wieder feuert er dann die sich vorbeidrueckende Menge an und erwischt dann doch noch ein Wort des gesungenen Textes. Geld verdient er damit, nur macht er eine etwas traurige Figur bei der Aktion und ich weiss nicht, ob er ganz Herr seiner Sinne ist. In jedem Fall ganz weit weg ist ein behinderter Verkauefer, der fast jeden Tag vor dem Internetcafé in dem ich oft bin sitzt und auf einer Decke versucht allerhand Nutzlosigkeiten anzupreisen. Ich kann ihn nicht verstehen und leider bin ich da nicht der einzige.
Wenn man diesen Lauf unbeeindrueckt ueberstanden hat, was zugegeben unmoeglich ist, aber trotzdem macht es des Eindruck als wenn es viele Touristen hinbekommen, kommt man auf die Av. Montes, einen Teil der grossen Strasse die quer durch das Zentrum verlaueft. Hier laufen fast taeglich Demonstrationszuege von campesinos durch die gegen unzureichende Entschaedigungszahlungen oder Minenarbeiter die gegen schlechte Arbeitsverhaeltnisse protestieren. Diese Zuege sind immer von Feuerwerkskoerpern begleitet und die Menschen luken interessiert von der Bruecke die ueber die Strasse fuehrt.
img_8892Wenn man dann die Bruecke passiert hat findet man sich ich unzaehligen maskierten Schuhputzern – las lustrabotas, zum Beispiel la gente brillante – wieder, die selbst Turnschuhe blank putzen wollen. Sie tragen Masken, denn auch im armen Bolivien ist der Job zu Fuessen der anderen nicht gerade hoch angesehen. Das Einkommen der Jungs liegt jedoch im Bolivianischen Durchschnitt.
So geht alles jeden Tag seinen chaotischen Gang und ich frage mich, wie wohl die Bolivianer ihr Hauptstadt sehen. Ich frage einige, doch mit den Antworten kann ich wenig anfangen. Das liegt zum einen noch an meinem Spanisch und zum anderen daran, dass die Menschen manchmal meine Frage nicht verstehen. Sei es drumm.

img_89061Die Polizei, dein Freund und Helfer. Die Jungs stehen hier an jeder Ecke, nur weiss ich nicht, wie sicher ich mich dadurch fuehlen soll. Wie in China gibt es hier unzaehlige Uniformen und es bedarf einer wirklich detailierten Investigation wer hier wozu gehoert. Meine Erfahrungen mit den gruenen Maennchen ist auch hier in La Paz nicht die beste. So geschah folgendes an einem Abend in der Stadt.
Kurzfristig gab es im El Carretero grosse Aufruhe. Es sollte doch noch zu irgendeiner Party in der Stadt gehen. Wir dallern also los, den Berg runter und einen Block auf der anderen Seite wieder hoch. Die vom Club wollen 10 Bolis Eintritt, sieht schlecht aus, denn ich habe nur noch genau 10 in der Tasche. Auch der Rabatt nach 20 Sekunden von 5 Bolis kann uns nicht dazu bewegen reinzugehen. Vor der Tuer wird es gerade auch lustig. Was noch fehlt ist eine Flasche Pisco. Also weiter den Berg hoch einen weiteren Block und wir finden drei Cholitasstaende die alles was das Herz begehert verkaufen. Der Baske kauft eine grosse Flasche und wir realisieren, dass wir genau an dem Penal de San Pedro, dem Gefaengnis,  stehen. Gehen also einmal um die Mauer rum und stehen auf dem Vorplatz, fragen einen Polizisten ob es moeglich ist sich hier neben die trinkenden Bolivianer zu setzen und unseren Pisco anzubrechen. Klar ist es moeglich, alles kein Problem. Zwei Minuten spaeter kommen zwei andere Polizisten an und nehmen uns hoch: “¡Pasaportes!”. Wilde Diskussionen starten. Der eine guckt geschlagene fuenf Minuten in meinen Pass und will mir erklaeren, dass mein Visa nicht mehr gueltig ist. Als ich ihm dann zehn Minuten vorrechne, dass 2. Maerz plus 30 Tage unmoeglich schon abgelaufen ist, gibt er dann doch auf. Nur leider hat einer keinen Ausweiss mit und alle sollen mit zur migration. Geld verdienen wollen die Jungs, zu verstehen bei nur 1200 Bolivianos Monatsold, denn einen Grund gibt es nicht. Wir druecken dem alten der beiden dann 60 Bolivianos in die Hand und ploetzlich winkt er seinem juengeren Kollegen zu, dass der Job getan ist. Beide winken uns hinter sich her und setzen uns freundlich in die naechste Kneipe. Die Kneipe ist eine derer, in der man innerhalb von kuerzester Zeit in politische Diskussionen verwickelt wird. Bloed nur, dass ich selbst mit meinem Spanisch verstehen konnte, dass der Typ Kram erzaehlt. So verbringen wir die Nacht in hitzigen Diskussionen ueber die politische Lage der Bolivianer, die Amerikaner, den schwehlenden Buergerkrieg zwischen dem Altiplano und dem Jungel. Wieder am Club angekommen gehen die Flaschen rum, so auch unsere. Der Lobbiest des Jungels ist weiter bei uns, nur leider schon komplett besoffen. Er wird boese als ich verweigere ihm zu glauben, dass er Vladimir Lenin heisst. Am Ende will der Tuersteher von mir 2 Bolivianos haben weil ich ja auch von seiner Flasche getrunken habe – dabei hat er hat sie mir angeboten, und zusaetzlich ging auch unser Pisco in seine Richtung. Das ist Bolivien, komme immer noch nicht auf das Land und seine Menschen klar. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion sieben.

Día del mar. Am Sonntag den 23. Maerz schlender ich durch La Paz, wie immer auf der Suche nach etwas zu essen, was nicht pollo con arroz y papa frita oder papa frita y pollo con arroz ist – wirklich nicht einfach. Jedes Land feiert hier seinen eigenen Befreier, nur leider ist die Befreiung noch nicht kulinarisch geschehen, das Essen ist echt fade obwohl eigentlich alles vorhanden ist.
Nur leider komme ich diese Tag auf dem Plaza Abaroa vor der Iglesia de San Francisco nicht mehr durch. Ueberall steht die policia militar und versucht einen grossen Zirkel zu bilden. Die Cholitas bauen hektisch ihre Staende ab, ein grossen Durcheinander entsteht. Wenig spaeter startet eine Militaerparade. img_8891Alle Arten von verkleideten und bewaffneten Typen rennen mehr oder weniger im Stechschritt ueber den Platz. Die Luftwaffe hat Gummiflugzeuge auf ihren Hueten montiert und traegt Deutsche Waffen. Die Jungs auf den Pferden versuchen ihre Gaeule waehrend der Geschichte still zu halten was sich als unmoeglich heraustellt. Die Pferde schupsen mit ihren Nasen die Soldaten immer wieder weg, beschaeftigen sich miteinander oder rennen einfach woanders hin. Keiner scheint zu wissen wohin es gehen soll und was als naechstes geschehen soll. Das ganze wird zu einer riesigen Zirkusveranstaltung anstatt zu einem militaerischen Aufmarsch der ja meist zur Praesentation der Macht dienen soll – nicht aber in Bolivien.
Gefeiert oder gedacht wird dem Pazifik Krieg vom vorletzten Jahrhundert in dem Bolivien seinen Zugang zum Meer an Chile verloren hat. In dem Krieg hat das Land Calama, Antofagasta und Arica verloren. Gehuldigt wird dann jedes Jahr Eduardo Abaroa Hidalgo, einem der Helden des Krieges. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion acht.

 

Mythisches März 23, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 4:27 vormittags
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img_8826Ich ziehe nachdem die beiden weg sind in ein anderes Zimmer, streune durch La Paz und beginne meine Vorbereitungen fuer die Wanderung von Copacabana zur Isla del Sol. Am Montag geht es dann los, lasse meine Wertsachen und ein paar andere im “El Carretero” und fahre mit dem Taxi zum Cementerio um von dort aus einen Bus in die gleiche Richtung wie auch schon nach Sorata zu nehmen. Wir setzen mit der Faehre auf die erste Insel ueber und ich stehe vor einem ueblichen Polizeiposten. Nur leider habe ich diesmal keinerlei Dokumente und zu wenig Geld dabei um den Polizisten zu bestechen. Zum Glueck gibt er sich mit meinem Internationalen Studentenausweiss zufrieden und wenig spaeter finde ich mich nach einer weiteren Stunde durch die Berge vorbei an den Inkaterassen in Copacabana wieder. Der Ort erschreckt mich – wo sind die Bolivianer geblieben? Unzaehlige Touristen flanieren durch die weisse Stadt, umso mehr Souvinierstaende verunstalten die Hauptstrasse runter zum See. Flitze schnell in ein Restaurant auf einem Hinterhof, esse, und mache mich auf den Weg nach Osten – raus aus dem Ort rund 17 Kilometer in Richtung Yampupata. Der Weg fuehrt mich immer am Ufer des blauen Sees entlang, passiere Titicachi und Sicuani in denen mich immer wieder kleine Kinder auf Geld, Suessigkeiten, meinen Walkman, Wasser und Unterkunft ansprechen. Die campesinos sprechen nicht mit mir, als ob die Kleinen von ihren Eltern geschickt und trainiert wurden, manche sind ziemlich gut – aber auch unheimlich frech und abgebrueht. Die Sonne faellt schon fast ins Wasser und die Lehmhuetten, Felder und Berge sind schon in ein warmes orange getaucht als ich nach vier Stunden in Yampupata ankomme. Von hier aus muss man mit dem Boot zur Isla del Sol uebersetzen. Es ist aber zu spaet und so frage ich die Leute im Dorf wo ich mein Zelt aufstellen darf. Zelten ist in Bolivien immer noch ueberall umsonst, da es noch keine Infrastrukturen gibt und die Leute kommen noch nicht auf die Idee dafuer Geld zu verlangen. Am Ende steht mein Zelt unten bei den Fischerbooten direkt am Wasser mit Blick auf die Insel. Die Sonne geht unter und die Sterne und der Mond auf. Immer wieder tauchen Fischer vor meinem Zelt auf und sind neugierig. Quatsche mit ihnen, die Leute sind feundlich und entspannt was ich von Bolivien leider bisher noch nicht gewohnt war. Als es dann doch zu kalt wird verkrieche ich mich im Zelt und versuche zu schlafen was nicht allzu gut funktioniert. Immer wieder wache ich auf, renne am Strand herum, beoachte die seltsamen Lichtblitze ueber dem See und hoere mit Schrecken den einzigen Esel im Dorf wie am Spiess kraehen – es ist wirklich laut, unwirklich. Die Blitze erinnern mich an diejenigen am Fusse des Aconcagua.

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Am naechsten Morgen sitzt natuerlich sofort ein Fischer vor meiner Tuer. Das Motorboot kostet 90 Bolis, ein Ruderboot, welches der Fischer selber rudert 20. Entscheide mich natuerlich fuer das letztere, gebe Martin 30 Bolis und rudere ihn rueber. Er erzaehlt mir viel ueber die Fischerei und den See und als ich ihn auf die Diebstaehle in Bolivien anspreche, sind es natuerlich immer die boesen Peruaner gewesen, die nur zum stehlen nach Bolivien kommen – es ist nicht das erste Mal, dass ich das hoere. 40 Minuten spaeter schmeisse ich meinen Ruecksack aus dem schaukelnden Ruderboot auf die Felsen und springe hinterher. Langsam dreht Martin um, wir verabschieden uns und ich schaue ihm lange hinterher wie er sich schnellst moeglich auf den Rueckweg macht um seinen Kartoffelacker zu bearbeiten. Da bin ich nun.

img_8843Inkaschoepfermythos. In der Mythologie der Inka gibt es mehrere Legenden über die Entstehung der Inka. Die bekannteste stammt vom Chronisten Garcilaso Inca de la Vega. Ihr zufolge sollen der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Mama Ocllo vom Sonnengott Inti gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee, nach anderen Mythen in der Höhle Paritambo, gelangten sie in die Welt. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit. Sie sollten ihren Wohnsitz dort gründen, wo es ihnen gelang, den Stab mit einem Schlag in die Erde zu treiben. Nach einer langen Wanderung fanden sie eine Stelle und gründeten dort um das Jahr 1200 die Stadt Qusqu (Cusco), die nach ihrem Verständnis der „Nabel der Welt“ war. Den mythischen Titicacasee, eine tiefblau oder silbern leuchtende Fläche von 8.000 km², in der mehrere Inseln liegen, u. a. die Mond- und die Sonneninsel, auf der der Ritualstein Titiqaqa liegt, betrachten die Quechua sprechenden Inka und die Aymará sprechenden Nachfahren des Volks von Tiahuanaco als heilig. Zwei Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln: Das Wort „titi“ bedeutet in der Aymará-Sprache „Bergkatze“, „qaqa“ in Quechua „Felsen“. Es wird vermutet, dass die Inkas entgegen ihrem eigenen Schoepfermythos aus dem Amazonastiefland kommen. (Quelle: Wikipedia)

Die naechsten zwei Tage renne ich einmal um die Insel, im Westen kann man Peru sehen und im Osten taucht hin und wieder die Cordillera Real auf. Es ist aber total verrueckt. Gleich nach Ankunft laeuft mir ein Mann mit Hut und Ticketblock entgegen – 5 Bolivianos Eintritt, aber nur fuer den Suedteil. Der Nordteil ist eine andere Kommune, darum darf ich da nochmal loehnen. Zwischen den beiden Grenzkontrollposten gibt es eine neutrale Zone, wie bei Landesgrenzen. Ueberall auf der Insel lauern Cholitas oder Maenner mit Hueten die Geld oder Ticket wollen. So duerfen sich die Touristen jedes Mal erneut aergern. Viel einfacher waere es einen Eintritt vorab zu verlangen. Sogar die Kinder lachen, wenn man sie fragt, ob sie auch die Gebuehr zum Erhalt der Wege gezahlt haben, den auch die Einheimischen benutzen. Ueberall werben die Indios mit der Einheit der indigenen Voelker, aber nicht mal auf ihrer eigenen kleinen Insel bekomme sie es gebacken.
Ich habe irgendwo gelesen, dass man die Insel besuchen soll um zu sehen wie die Menschen vor 500 Jahren lebten. Mir scheint jedoch, dass man ueberall in Bolivien dies betrauern kann, nicht aber auf der Insel. Ueberall stehen Hostels, Restaurants, es gibt American Breakfast, aber zum Glueck auch noch trucha aus dem See. Die Touristen lassen sich gemuehtlich von Copacabana mit dem Boot herkutschieren. Dann kann man im Suedteil oder im Nordteil aussteigen und rumbewundern. Wenn man den Eintritt eines “Landes” nicht bezahlen will, bleibt man einfach auf dem Boot sitzen.
Es gibt kaum Ruinen, ich habe da mehr erwartet. Das bringt mich aber auf eine Idee. Ich kreiere meinen eigenen Mythos, schreibe LP an, mache einen Wikipediaeintrag und schwupp, kommen mindestens ein paar Japaner angewackelt. img_8856Und wenn das irgendwann auffliegt, dann vermarkte ich das halt – schaut mal was als Touriattraktion mal funktioniert hat – duerfte gut laufen nach meinen Erfahrungen hier. Denn nach einer Uebernachtung am Strand im Zelt unter dem Tempel der Sonne haelt das Boot noch an den Islas Flotanas, auf denen die Bolivianer letzte Woche noch schnell ein paar Strohhuetten hingestellt haben und jetzt 5 Bolis Eintritt verlangen. Zum Glueck bleiben fast alle auf dem Boot und wundern sich ueber diese Obscuritaet, doch zwei Japanerinnen zieht es doch vom Boot. So laesst es sich leben.
In Copacabana wieder angekommen, verabschiede ich mich von Edu, einem Argentinier mit dem ich den ganzen Tag gewandert bin und huepfe in den Bus zurueck nach La Paz. Der See ist schoen, der Rummel der um ihn gemacht wird nicht. Positiv ist jedoch, dass es den Bolivianern, die an der richtigen Stelle hier wohnen, durch den Tourismus richtig gut geht. Nur leider haben sie an mir fast nichts verdient, aber waren ja genug andere da.

 

Hoch, runter und wieder hoch März 22, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 9:48 nachmittags
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In La Paz angekommen geht es erstmal direkt zum alojamiento “El Carretero” in dem Roberto vor zwei Jahren schon einmal war. Der Taxifahrer kennt den Namen sofort. “¿Que onda locos?” – die Tuer geht auf und ein grinsender Bolivianer oeffnet die Tuer. Den Abend duesen wir noch ein wenig durch die Stadt und am naechsten Morgen sitzen wir im Bus nach Sorata, rund 150 Kilometer im Nordosten der Stadt.

img_8675Zuerst geht es Richtung Norden aus dem alten Stadtkern von La Paz, eine unendliche Serpentine zwischen gebrannten Lehmziegelhaeusern hindurch von 3600 Metern auf 4000 nach El Alto La Paz. Dieser neue Teil ist entstanden, weil im Talkessel kein Platz mehr war. Oben angekommen scheint der Trubel noch viel intensiver als im Stadtkern. Drehe mich um, der Illimani wacht im Hintergrund ueber dem unendlichen Haeusermeer welches sich wie Moos an den Haengen des Tals klebt. Weiter geht es ueber das Altiplano in Richtung des Lago Titicaca – vorbei an Einpersonenlehmziegelfabriken, ovejas und vereinzelten Huetten. Hin und wieder kann man campesinos sehen, die alleine ihren Acker beschuften – diese Szenerie erinnert mich stark an die laendlichen Gegenden in China. Rechts begleitet uns immer die Cordillera Real welche sich im Osten der Stadt wie eine Mauer von Sueden nach Norden zieht. Die schneebedeckte Giganten werden von den aufkommenden Wolken umschmeichelt. img_8687Hinter der Bergkette faellt das Altiplano hinab in die Yungas. Wir passieren eine Ecke des Lago Titicaca und fahren direkt auf Illampu (6368 Meter) und den weniger bekannten Janq’uma (6427) zu die zusammen wie ein uebermaechter Waechter ueber Sorata tronen. Kurz vor Ende der Fahrt, der Transporter ist mittlerweile bis zum Zerbersten gefuellt, geht es eine nicht enden wollende Serpentine wieder hinab auf 2700 Meter. Wir tauchen durch die Wolken und finden uns ich einem satten Gruen wieder. Das Tal scheint unendlich tief, Haeuser sind nur kleine Punkte irgendwo da unten. Nebelschwaden und Wolken ziehen durch das Tal und ab und zu bricht die Sonne durch und zaubert eine magische Stimmung zwischen die Berge. Doch ich werde wieder aufgeweckt, unzaehlige Erdrutsche haben die Strasse teilweise fast unpassierbar gemacht und so rumpelt der kleine Bus hin und wieder durch und ueber matschige Lehmabgaenge. Auch der Rest der Strasse scheint nicht fest, Wasser fliesst von den Anhoehen und der naechste Abgang scheint nur eine Frage der Zeit. Im Tal steht, wie auch in La Paz, viel Eukalyptus um die Haenge zu befestigen.
Sorata ist klein und das von der Tourismusstrategie auserkorene Trekkingzentrum des Landes. img_86421Das fuehrt dazu, dass an alles Enden des Marktplatzes guias stehen und ihre Dienste anbieten. Es gibt eine Trekkingtouristeninformation in der die Preise fuer die Touren doppelt so hoch sind und in der ich gesagt bekomme, dass es voellig unmoeglich und polizeilich verboten ist alleine die den Berg hochzurennen – natuerlich! Abgefahren wird es nur, wenn ich spaeter hoere, dass die Touristen die noch nie den Pfad gegangen sind ihn besser finden als der Guide und die Gruppe vor dem Verlaufen retten muessen. Abends hat der Guide dann geweint – skurril. Die Preise sind nicht besonders hoch, uebersteigen aber mein Tagesbudget knapp und so kommt nur in Frage alleine zur Laguna Glacial hochzulaufen. Bin nur noch ein wenig skeptisch, ob dass koerperlich mit Rucksack moeglich ist, denn von 2700 Metern auf rund 5000 ist eine andere Geschichte als von Mehresniveau auf 2000 Meter.
img_8684Erstmal machen wir es uns im Casa Reggae gemuehtlich, einem kleinen alojamiento mit einem Hund, mehrern Katzen, einem Affen der auf den Namen Wilson hoert (oder auch nicht) und Freunde daran gefunden hat die kleinen Katzen zu knuddeln und sie hinter sich herzuschleifen und einer Gruppe abgefahrener Franzosen die den ganzen Tag avangardistische Revolutionsmusik hoerend rumartesanian. Als ich sie dann frage, was die Texte so bedeuten, weil ich nur Kalaschnikov und irgendwelche Jahreszahlen verstehe werden sie stutzig, gucken runter und stammeln rum – erfahren habe ich es nicht, ich glaube sie sind ziemlich schuechtern und nur hier in den Bergen cool. In unser Zimmer kommen wir ueber Holzbretter an der Aussenwand und der Ausblick ist gigantisch. Wir gucken direkt das Tal hinab und die Wolken ziehen auf Augenhoehe vor der Feldern an der anderen Talseite vorbei. Irgendwo da hinten kriecht ab und zu ein kleines Auto den Berg entlang.
Wir dallern die Tage ueber durch den Ort, schaffen es wegen dem allgemeinen Spass nicht zur Gruta de San Pedro und fahren nach zwei Naechten wieder nach La Paz. Habe mich nach ein paar Spaziergaengen durch das bergige Sorata entschieden, dass es noch unmoeglich ist mit vollem Gepaeck ueber die Wolken zu steigen, wenn ich nicht irgendwann rueckwaerts wieder den Pfad runterpurzeln will weil mir die Luft ausgegangen ist.
Zurueck in La Paz und im “El Carretero” ist der Innenhof voller Leute, Floetenspiele, Trommeln hallen und ein Akkordeonspieler springt herum. Die Mitarbeiter wuseln mitten in den Leuten herum. Wir bekommen wieder ein Zimmer zur Strasse heraus und machen es uns am letzten Abend gemuehtlich. Muede bin ich, und so kommen wir leider am Samstag Abend nicht mehr vor die Tuer. Am naechsten Morgen muessen Pamela und Roberto leider ueber Arica zurueck nach Hause nach Chile. Die Stimmung ist trotzdem ausgelassen und herzlich. Dann sind die beiden verschwunden, muss mich erstmal wieder neu orientieren, bin wieder alleine – das ist gut, aber trotzdem sind sie mir ans Herz gewachsen und ich hoffe vor einer Stunde hat nicht das letzte Mal Robertos Gelaber und Pamelas Lachen in meinen Ohren geklingelt. Abschied.

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