Kosmonaut im Farbsternregen

Ausgedrueckte Eindruecke

Gravitationskraefte Mai 15, 2009

Einsortiert unter: Dies und Das,Eindruecke — Sebastian @ 2:01 vormittags
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IMG_9843Eine Reise ueber ein Kontinent ist immer eine Reise durch die Natur, oder was von ihr noch uebrig ist, aber in aller erster Linie eine Reise durch die Lebensumstaende der Menschen, die die Natur dafuer geisseln. Das Gruen in Sued Amerika ist, falls nicht gerade eine Wueste anstatt dessen selbstzufrieden in der Landschaft liegt, noch fast ueberall praesent, und wohl unter anderem deshalb auch die Menschen in einer signifikant anderen Art und Weise als ich es aus Europa gewohnt bin, oder besser, Europa es mir angewoehnt hat. Zumeist praegt hier die Natur noch den Menschen und nicht im umgekehrten Wege.
Nach unzaehligen Generationen kriegerischer Auseinandersetzungen bestimmen politische Grenzen wirtschaftliche und soziale Schicksaale – Luiz Inacio Lula da Silvas Vision eines Pan-Suedamerikanisches Staatenbund gegen die Nord Amerikanische politische, oekonomische und kulturelle Hegemonie scheint in weiter Ferne. Die Laender koennen sich ein friedliches Neben- und miteinander oekonomisch noch nicht leisten. Die Machtapperate sind zu zersetzt von Korruption und Guenstlingswirtschaft, als dass ein politischer Prozess oekonomisch, oder anders herum, auf den Weg gebracht werden koennte.
Die Menschen stellen sich hier andere Fragen. Viele Chilenen und Argentinier die ich getroffen habe suchen nach ihrer eigenen Philosophie, losgeloest von der allgegenwertigkeit Europaeischer Geschichte – einer neuen Sued Amerikanischen. Sie wollen frei sein und sind es oft. Einige die ich getroffen habe leben ihre Version von Freiheit so unverkrampft und weit ab von gesellschaftlichen stereotypen Bildern, man denke nur an das des Hippies, dass es mir das Herz erwaermt. Mit der Grenzueberquerung von Chile nach Bolivien bin ich in den zweiten Teil meiner Reise eingetreten. Alles hat sich umgekehrt, die Menschen sich veraendert, die Lebensumstaende verschlechtert. Das Leben ist so schwer wie einfach in Bolivien und Peru. Es ist runtergekocht auf die Grundbeduerfnisse - Essen, ein Dach ueber dem Kopf, Familie – oder anders, es konnte nie aufgekocht werden. Viele Menschen in diesen beiden Laendern, die nicht an absoluter Armut leben, sich also ernaehren koennen und eine kleine Huette haben und sich irgendwo die Haende wundarbeiten oder augenscheinlich nichts tun, erscheinen mir gluecklich. Das Lebens stellt keine Fragen, es ist einspurig, man muss nur aufpassen und die Kurven richtig nehmen. Viele einfache Maenner sind Ueberlebenskuenstler fuer sich und ihre Familie, und doch hat die aus oekonomischen Rahmenbedingungen Bildung nie ihren Horizont erweitert. Das genuegt hier, keiner verlangt von ihnen mehr. Intellektuell sind oft kleine Jungen geblieben, das Bildungssystem transportiert keine Inititative, es transportiert Imitation. Und da der Sued Amerikanische Charakter ein anderer als der Chinesische ist, kommt ein ziemliches Schlamassel dabei heraus.

Je aermer die Laender werden, umso mehr sind all die Touristen wieder unter sich. Laengere Gespraeche mit den Einheimischen werden seltener, solche mit tieferem Sinn verschwinden fast ganz. So sehe ich die liebe und herzensgute Menschen vor der Einfalt kapitulieren, sich dabei schlecht fuehlen und wieder anderen Reisenden zuwenden um wieder Gespraeche fuehren zu koennen die sie ausfuellen - Leben kehrt in die Gesichter zurueck. Der Schritt weg vom Reisetourismus, wirklich rein in die Gesellschaft, scheint mir fuer mich fast unmoeglich. Im Sueden hingegen sitzen Reisende mit Chilenen und Argentiniern gleichberechtigt gegenueber. Sie reden miteinander, fuellen sich auf, sind gespannt aufeinander. Geld spielt fast immer trotz der relativen Armut in vielen Gebieten nie eine Rolle und so helfen viele Reisende wo sie nur koennen – leben zusammen mit den Einheimischen. Ich will zurueck in den Argentinisch-Chilenischen Sommer! Das alles ist hier in Bolivien und Peru fast undenkbar. Die Konstellation des armen locals und der reichen Reisenden wird so gut wie nie komplett aufgebrochen. Der erstere sieht in letzter Konsequenz aus der Not oder aus Gewohnheit heraus die schier unendliche Kreditkarte des Menschen von irgendwo anders her. Sie haben keine Ahnung von dem Leben jenseits eines sehr kleinen Horizontes, selbst Gebildete. Das uebersteigert und verzerrt das Bild des Reisenden, jenes was er sich selber gibt und jenes, welches ihm von den Einheimischen gegeben wird - und beide umwabern einander bis zur kompletten Unkenntlichkeit – wird zur trennenden Mauer. Mir scheint, aus diesem Grund gibt es hier selten ein Miteinander von Reisenden und Einheimischen, es gibt ein Fuereinander – keine Frage, aber das erstere gehoert fuer mich essentiell zu einer gesunden Sozialstruktur dazu. So werde ich in Ollaguee wieder zum Fremden, die Rolle die ich im Sueden so genossen habe abgelegen zu koennen.

So will ich wieder zurueck. Habe gerade genug von beknackten Pop “te amo” Texten, habe genug von der Ahnungslosigkeit, von den vielen kleinen Luegen, von dem religioesen Fanatismus. Ich freu mich gerade riesig auf zielloses irren in einer Gesellschaft die so abstrakte und ueberfluessige Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens stellt. Zurueck in eine Gesellschaft die abstrakt lebt und schafft, abstrakt denkt und sich dabei oft selbst verliert, weil sie alles hat, und all das in ihrer Musik zum Ausdruck bringt. Ich will zurueck in eine Umgebung die mir es erlaubt mich selbst zu verlieren, und das nicht nur physisch im Dschungel. Ich will zurueck in eine Umgebung in der meine Gedanken sich im Kreis drehen, immer wirre Windungen nehmen bis ich am Ende manchmal nicht mehr weiss ob das alles einen Sinn ergibt oder ich mich in ihnen verloren habe. Ich will zurueck in eine Gesellschaft, die sich anderen Fanatismen hingibt als “dios es mi amor“, “dios, te amo” oder “dios es amor“. Ich will zurueck in eine Gesellschaft, die mich ueberfordert, verwirrt und dadurch wach und am Leben haelt.
Und ich will zurueck in eine Gesellschaft, die mir all dies hier ermoeglicht, ich will die Moeglichkeit haben, jederzeit zurueckkehren zu koennen, in all die kleinen Paradise hier, die ich aber wohl nur als solche wahrnehme, wenn ich die Chance habe an den Ort zurueck zu gehen, an dem ich wieder von dem hier und jetzt traeumen kann, mein Fernweh wieder angestachelt wird – ich will nach Mexiko, Nepal, Indien, Australien, Neuseeland, Vietnam, und, und nach Patagonien. Ich geniesse die letzten Wochen hier unheimlich, ich geniesse Sued Amerika, jedes Land auf seine Weise, aber immer in dem Wissen, dass ich wieder mit dem Fahrrad von Friedrichshain auf der Oberbaumbruecke ueber die Spree fahren kann – meinem anderen Leben entgegen.

 

Vertikaler, horizontaler und diagonaler ZickZack April 2, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 12:51 vormittags
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img_89091Wenn ein bestimmter Austausch von Informationen wechselseitig ist, also der Wahrheitskanal durch die Menge an Informationen empirisch mit einer bestimmten tollerierbaren Fehlerwahrscheinlichkeit so verengt werden kann, dass der eine nicht aber der andere Zustand von mehr als einer Seite als wahr empfunden wird, dann ist es relativ schwierig, wenngleich doch nicht unmoeglich, Informationen zu manipulieren. Auf der anderen Seite ist es nicht schwer auch in Zeiten unendlich schneller Nachrichtenstroeme und spinnennetzartiger Nachrichtenkanaele die Menschen in eine Richtung zu lenken wenn die Information nur in eine Richtung, nicht aber in die andere fliesst, die Evaluierung des Wahrheitsgehaltes nicht vorgenommen werden kann. So geschehen ueber den Sicherheitszustand auf dem Camino del Choro, der von La Cumbre runter nach Coroico fuehrt. Reisefuehrer und Internet “zitieren” sich gegenseitig und so ist ueberhaupt nicht klar, wer auf Basis welches Ereignisses wann was geschrieben hat. So steht die Information im Raum, dass der Trek gefaehrlich ist und die Leute unfreundlich – man also im Himmels Willen nicht alleine dort herunterstolpern soll. LP spricht 2003 noch von vereinzelten Faellen, SHB 2008 schon davon, dass der Trek dafuer “bekannt” ist. Was soll man nun glauben? Im Netz findet man keine Infos, aber auch keine Berichte die dies bestaerken koennten.
So kann man also Tourismuspolitik machen. Entweder man moechte alle Touristen dazu bewegen sich einen loalen Bergfuehrer zu besorgen um die Wirtschaft anzukurbeln (wie in Sorata), egal wie einfach der Weg zu finden ist, oder man man Negativpolitik fuer andere Regionen indem man einfach schwer zu widerlegende Behauptungen in den Raum stellt. In Laendern wie Bolivien ist das recht einfach, weil der umgekehrte Nachrichtenfluss recht zaeh ist, so es also fuer die Touristen recht schwer ist empirisch einen Gegenbeweiss anzutreten.
Mich verunsichert das Gelaber auch da ich bisher hier nicht die besten Erfahrungen gemacht habe. Bin mir nicht sicher, ob ich gehen soll oder nicht. Aber irgendwie kann es nicht passieren, dass ich nicht gehe. img_8914Also kaufe ich Sonntag die ersten Sachen ein, gehe aber Montag noch nicht los weil ich immer noch krank bin. Abends quatsche ich noch mit dem Basken in meinem Zimmer und wenig spaeter steht Ivan, ein Spanier, vor meiner Tuer und es scheint, als ob ich Dienstag doch nicht alleine losstiefeln muss. Alles verlaueft etwas chaotisch weil Ivan kaum Sachen hat, aber am Dienstag gegen elf sitzen wir dann doch im barrio Villa Fatima in La Paz und schluerfen die letzte Huehnersuppe. Da tauchen noch drei andere aus dem El Carretero auf, Fabio und Luca – zwei Italiener und Johanna – eine Argentinierin. Ivan ueberredet sie, da sie sowieso runter nach Coroico wollen, mit uns mitzukommen. Die drei haben kaum Sachen, beschissene Schuhe und kein Essen. Ivan und ich rennen noch los um die letzten Sachen einzukaufen und eigentlich wollten Fabio und Luca dies auch machen. Doch als wir wieder am Minibus stehen ist von ihnen nichts zu sehen. Luca kommt viel zu spaet, ohne Essen – er war noch schnell im Internet. Das war nur der Anfang von dem, was noch kommen sollte. So segeln wir also ohne genug Essen den Pass hinauf und unsere Bolivianischen Mitfahrer kichern wie kleine Maedchen auf den ersten Sitzreihen ob unseres Chaos. Am obligatorischen Polizeicheckpoint springen Johanna, Luca und Fabio wieder aus dem Bus um bei den Cholitas noch ein paar Sachen einzukaufen. Mit ein paar Broetchen, fuenf Aepfeln und drei Bananen renne sie dem Bus hinterher, denn unser Fahrer ist leicht nervoes geworden und macht Druck. Dies soll also das Essen sein, fuer vier Tage in den Bergen, sechzig Kilometer den Berg runter.

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Der Anfangspunkt des El Choro liegt bei La Cumbre, dem hoechsten Punkt der Strasse runter in die Yungas, Startpunkt der Fahrradtouen die ehemals gefaehrlichste Strasse der Welt hinunter. Wir huepfen aus dem Bus, dicker Nebel und Regen heissen uns in der Cordillera Real willkommen. Mein Rucksack faellt zur Begruessung erstmal in den Strassengraben, der in Bolivien in der Hoehe meist mit Plastikmuell, Bananenschalen, Maisresten und Moosmatsch gefuellt ist – so auch dieser. Dann tasten wir uns durch den dichten Nebel auf einer matschigen Strasse 200 Meter weiter hoch auf den Pass. Alle hundert Meter muss man eine Pause machen, 4860 Meter merkt man dann doch schon – Rucksack und Beine sind schwer, der Atem kurz. Oben angekommen faengt der Inkapfad an. Die Jungs muessen schon Hubschrauber gehabt haben, anders ist nicht zu erklaeren wie sie diese Steine an den Abhang geklatscht haben, an dem es ohne diese nicht moeglich erscheint auch nur einen Fuss vor den anderen zu setzen ohne in die Tiefe zu schlittern. Der Weg fuehrt im Zickzack dicht gedraengt durch die Wolken und den Regen runter. Sehen kann ich nichts und die Finger sind so kalt, dass ich keinen Reissverschluss mehr aufbekomme. In der Ferne ist ein Fluss zu hoeren. Hin und wieder reissen die Wolken ein wenig auf und die gegenueberliegenden Berge tauchen als Schatten auf und lassen ein Gefuehl zu wo wir uns gerade befinden. Mitten im Nirgendwo kommen von hinten drei campesinos angelaufen, Ivan verteilt wie immer seine Cocablaetter. Die Bauern koennen sich nur mit Muellbeuteln vor dem Regen schuetzen, obwohl es die Haelfte des Jahres hier ziemlich feucht ist. Wir laufen ein wenig mit ihnen und verabreden uns mit Miguel, dem alten, am Friedhof im naechsten Dorf. img_8925In Chucura (3750 Meter) angekommen wartet Miguel schon und wir verbringen die Nacht in einer alten Lehmhuette mit zwei Betten aus Lamafell. Am Abend ruecken wir noch in dem Haus von ihm und seiner Frau Theresa zusammen und trocknen unsere Sachen. Die Huette ist klein, der Eingang noch kleiner, so dass ich mir die ersten drei Mal den Kopf stosse. Die beiden Bauern leben bescheiden, sehr bescheiden. Die beiden Betten stehen an den kurzen Seiten der Huette gegenueber, sie passen gerade so in die Nieschen. Das Dach ist mit Stroh bedeckt welches durch den fehlenden Rauchabzug im Inneren komplett schwarz ist. Die Feuerstelle ist genau gegenueber der Tuer an der langen Seite, zwischen den Betten. An allen Seiten sind kleine Regale gezimmert auf denen Toepfe, Flaschen und Stoffbuendel gestapelt sind. Der Boden ist aus ungebranntem Lehm. img_8970Wenn jemand krank wird muessen sie einen Tag nach La Paz wandern, den gleichen Weg, den wir noch den Tag runtergestolpert sind. Als ich das hoere lasse ich gleich meinen Vorrat an Paracetamol bei den beiden. Sie verkaufen Kartoffeln und irgendeine andere Wurzel in der Stadt. Die Fruechte werden mit Eseln und Pferden ueber den Pass transportiert. Wir wuerden gerne noch eine Zwiebel zu den Nudeln essen, doch das Fragen faellt mit dem Gedanken an die Arbeit die die beiden in diese eine der zehn auf dem Fussboden gesteckt haben schwer. So verbringen wir den Abend in der Huette teilen unser Essen und die Flasche Kohlberg Wein mit Theresa und Miguel und hoffen auf besseres Wetter.
Sonne gibt es dann auch am naechsten Morgen. Doch leider haelt das nicht lange. Ein paar Stunden weiter runter faengt es wieder an zu regnen. Die Landschaft ist mittlerweile gruener, ich gucke die tausenden Wasserfaelle von rechts und links schon kaum mehr an. Straeucher tauchen auf, hier und dort ein kleiner Vogel und die moosigen Steinmauern der Hochlandbauern weichen einer dichten Vegetation, Schmetterlinge wuseln durch das Unterholz. img_90453Der Pfad wird kleiner und der Rio Chucura, an dem wir die ganze Zeit entlang laufen breiter und wilder. In Choro machen wir eine kleine Pause und bewundern die auftauchenden Blumen. Nach der Bruecke dieser Ansammlung von maximal zehn Haeusern geht es wieder hoch und eine Stunde spaeter schauen wir wieder den Hang entlang streifend aus 100 bis 200 Meter Hoehe auf den Fluss herab. Der Regen wird staerker und wir erreichen kurz vor Einbruch der Dunkelheit Bella Vista, ein Dorf bestehend aus einem Haus und einer kleinen Wiese hinter der es wieder in die schier unendliche Tiefe geht – wir duerfen fuer ein paar Taler auf dieser uebernachten. Das Kochfeld ist diesmal besetzt, also packe ich meinen Kocher aus und es gibt wieder Nudeln. Die Jungs des Hausherrn gucken den Kocher an wie ein Raumschiff. Das haette ich nicht gedacht, immerhin kommen hier im Sommer Horden von Touristen vorbei. Wieder muessen die Sachen ueber der Feuerstelle getrocknet werden, diesmal brennt aber leider ein Schuh an und des Nachts schwimmen wir auf der Wiese komplett weg.
Leider hoert der Regen auch am dritten Tag nicht auf und wir stampfen weiter den Matschpfad entlang. Die Inkasteine werden weniger, der Weg tiefer und die Vegetation ist nun nicht mehr zu durchdringen. Bananenpflanzen tauchen auf, die Schmetterlinge werden bunter und alles riecht nun nicht mehr nach Hochgebirgsmoos sondern nach suesser Banane. img_9019Nach drei Stunden gibt es in San Francisco Reis mit Ei. Erstmals treffen wir auf andere Wanderer die wegen besserer Schuhe schneller sind. Der Weg fuehrt uns weiter das Tal entlang. An einer Mine vorbei muessen wir nun auch in jedes Seitental. Vom Eingang kann man jedes Mal den Pfad schon auf der anderen Seite des Tals sich den Berg entlangwinden sehen. Nur leider gibt es keine Bruecke und so werden oft aus einer geschaetzten halben Stunde Luftweg zwei Stunden runter in das Tal, durch den obligatorischen Wasserfall und ueber den Fluss und auf der anderen Seite im unendlichen ZickZack wieder 200 Meter hoch. Gegen fuenf sind wir in Casa Sandillani und nichts geht mehr. Wie jeden Abend schmerzt mein ganzer Koerper. Das uebliche Gewicht meines Rucksacks drueckt mit in dieser Hoehe tiefer in die Sohlen. Es sind noch 12 Kilometer bis nach Chairo und weitere 19 bis zur Strasse – heute jedoch nicht mehr. So schlafen wir in einer kleinen Huette auf dem Boden und registrieren uns pflichtgemaess bei einem ueber 80 Jahre alten Tamiji Hanamura, einem Japaner und eine Legende bei den Reisenden, der hier einen Japanischen Garten hat und Postkarten aus aller Welt sammelt. Als er hoert, dass ich urspruenglich aus Rostock komme, holt er einen Stadtfuehrer hervor, wohl aus der Mitte der Neunziger Jahre denn die Nikolaikirche hat schon einen Turm und neue Strassenbahnen gibt es auch schon, in dem ueberall kleinen Zettelchen mit der Uebersetzung ins Spanische geklebt sind.
img_90521Am vierten Tag geht es hinab auf 1400 Meter nach Chairo. Dort tauchen wir im Fluss unter. Alles riecht jetzt herber. Am Wegesrand sammel ich nach belieben pomelos, naranjas und paltas von den Baeumen. Gigantische blaue Falter, ein leuchtend oranger Vogel und leider auch tausende Moskitos sausen durch die Luft. Nach einer Mittagspause rennen wir noch die letzten Kilometer der insgesamt 57 die Strasse am Fluss entlang um auf die grosse, die von La Paz heruntergeschossen kommt, zu gelangen. Von dort aus geht es mit einem Taxi nach Coroico. Dort schlafen wir eine Nacht und fahren in drei Stunden am naechsten Tag den Berg wieder hoch nach La Paz.

Ich verlasse nach ein paar Tagen und einer schoenen Abschiedsfeier mit Lee und den anderen auf dem Dach des El Carretero La Paz Bolivien in Richtung Peru. Eigentlich waere ich schon schneller weitergezogen, wenn mich nur nicht die Neugier dazu bewegt haette, doch noch ein paar Tage laenger zu bleiben. Das Land hat mich fasziniert, aber am wenigsten beruehrt von all jenen die ich bisher durchstreift habe. Die Natur ist wunderbar, mit den Menschen konnte ich mich nie richtig anfreunden. So ist Bolivien das erste Land auf meiner Reise, in das ich wohl nicht zurueckkehren werde, es sei denn ich will unbedingt die lustigen Flusspferde in den Yungas sehen.

 

Bolivianisches März 30, 2009

Einsortiert unter: Eindruecke,Tagebuch — Sebastian @ 11:15 nachmittags
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Wieder zurueck in La Paz merke ich erstmal, dass ich mir eine schoene Erkaeltung eingefangen habe. Neben mir sitzt ein Typ von irgendeiner Peruanischen demokratischen Befreiungsfront. Rosa Luxemburg, Mao, Kuba, Betancourt, Ché Guevara, dignidad nacional, cambio und vieles mehr torkelt ueber die Blogseiten meines Nachbarn. Ein kleines Maedchen kommt an, tippt ihm auf die Schulter, will Schokowaffeln verkaufen, er drueckt sie mit dem Ellbogen weg, wuerdigt sie keines Blickes. Wir sind ja auch nicht in Peru, Bolivien muss ja nicht befreit werden. Die Endlichkeit des Menschen ist sein grosses Plus, aber auch sein groesstes Manko.

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La Paz. Es ist die erste Grosstadt in Sued Amerika in der es mich laenger haelt, aus der ich nicht gleich wieder weg will, weil ich mich langweile, die Stadt kein Charakter hat oder weil sie von den anderen nicht zu unterscheiden ist. Gut, Smog gibt es in La Paz, wie auch in den anderen, viel zu viel. Immer wieder kriecht ein alter Laster neben mir die engen Gassen entlang und vernebelt alles, macht es fast unmoeglich zu atmen. Aber die Stadt pulsiert, alles geht in einem taeglichen Chaos unter. img_8778Ueberall, an jeder Strassenecke, auf jedem noch so schmalen Buergersteig, und davon gibt es in La Paz nicht wenige, sitzen die Cholitas und versuchen alles was geht an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Joghurt in kleinen Plastiktueten, Toilettenpapier, Nuesse, getrocknete Bananenscheiben, Schokoriegel, Pringles, Batterien, Getraenke, Telefongespraeche, Schluesselanhaenger, Fruchtsaefte, DVDs, Shampoo, Fruechte, Broetchen, Steckdosen, Buecher und vieles mehr. Auf den Maerkten ist oft nur mit viel Uebung ein schnelles Durchkommen moeglich.
Der Stadtkern liegt auf ungefaehr 3600 Metern und zu drei der vier Seiten wachsen die Haeuser an den Haengen des Tals entlang. Hochhaeuser gibt es kaum, nur ein paar im Zentrum. Fast alle Haeuser sind aus gebrannten Lehmziegeln und je weiter man sich von der Innenstadt entfernt, desto seltener sind diese auch verkleidet. So taucht sie Abendsonne die Haenge immer in ein dunkles warmes orange. Ueberall wirbelt es. Es fahren mehr Trufi-Taxis und Dodge-Busse herum als Privatautos, die hier im Gegensatz zum bunten Cochabamba meist gruen sind. Aus den Kleinbussen guckt immer ein Gesicht aus dem Seitenfenster und plappert in Weltrekordgeschwindigkeit die Fahrtrichtung und Preis. Zu verstehen ist das nur, wenn man sich vorher die Schilder in der Windschutzscheibe durchliest. Die Minibusschreier sind meist ziemlich fertig, rote Augen und wahnsinniges Gesicht – kein Wunder, denn sie scheinen das ohne Pause den ganzen Tag lang zu machen.
Wenn man sich einmal durch diese Schwaerme von Minibussen gekaempft hat stolpert man im Zentrum oft ueber Fossilienverkauefer. Meist sitzen oder stehen sie irgendwo herum und wenn man naeher kommt, dann reagieren sie wie auf Knopfdruck. Sie heben langsam den Kopf, die Augen scheinen sich gerade nach einem tausenjaehrigen Schlaf zu oeffnen und sie hauchen einem ein “¿¡Fósiles, fósiles?!” entgegen. In der Stimme liegt jedes Mal eine Mischung aus Verwunderung, Erstaunen und Erfurcht – als ob sie diesen kleinen Stein gerade eben im Strassengraben gefunden haben und nun nichts weiter mit ihm anzufangen wissen als ihn den Touristen geheimnisvoll zum Verkauf anzubieten – extraklasse, die Jungs!
Ueberall treibt die Armut ihre Blueten. img_8651Manchmal sind es ganz irre Gestalten die einem trotz den Elends ein Laecheln ins Gesicht zaubern. Keine Phantasiefigur koennte orginaler sein. Da ist zum einen der alte Opa ohne Zaehne, der jeden Tag mit einer Rassel laechelnd auf einem Tuch in der Fussgaengerpassage sitzt und rasselnd bettelt. Jedes Mal wenn ich an ihm vorbei komme koennte ich ihn umarmen, so herzerwaermend ist sein Laecheln. Ich belasse es dann immer bei zwei Bolivianos, da ich ihn leider nicht verstehen kann. Wenn man weiter geht, trifft man oft einen ebenso alten Mann mit einer gigantischen goldenen Ray Ben Truckersonnenbrille. Er ist zu hundert Prozent aus Emir Kusturicas “Schwarze Katze, weisser Kater” entsprungen, ueberhaupt gar keine Frage. Dann kann man immer einen Jugendlichen auf der anderen Seite der Fussgaengerpassage sehen, der neben einem Stand mit Tokyo Hotel Plakaten (ja auch bis hier hat es das Marketingkonzept geschafft – Lehrbuchreif wenn auch bestimmt mit viel Glueck) mit einem DVD-Spieler und einer kleinen Box bewaffnet jeden ambitionierten Karaokefan in Bedraengnis bringt. img_8650Immer wild sein Gewicht von einem auf den anderen Fuss hin und her wippend und dazu sein Kopf wie Pur Saenger Hartmut Engler auf Kokain hinterher zerrend, versucht er, dem Text aus seiner Box zu folgen. Das gelingt ihm praktisch nie, auch wenn er jeden Tag die gleiche CD spielt. Darum begnuegt er sich meist mit seinem expressiven Tanz, schwingt sein Mikrofon vor seinem Gesicht hin und her und reisst sein Mund ab und zu wild auf. Hin und wieder feuert er dann die sich vorbeidrueckende Menge an und erwischt dann doch noch ein Wort des gesungenen Textes. Geld verdient er damit, nur macht er eine etwas traurige Figur bei der Aktion und ich weiss nicht, ob er ganz Herr seiner Sinne ist. In jedem Fall ganz weit weg ist ein behinderter Verkauefer, der fast jeden Tag vor dem Internetcafé in dem ich oft bin sitzt und auf einer Decke versucht allerhand Nutzlosigkeiten anzupreisen. Ich kann ihn nicht verstehen und leider bin ich da nicht der einzige.
Wenn man diesen Lauf unbeeindrueckt ueberstanden hat, was zugegeben unmoeglich ist, aber trotzdem macht es des Eindruck als wenn es viele Touristen hinbekommen, kommt man auf die Av. Montes, einen Teil der grossen Strasse die quer durch das Zentrum verlaueft. Hier laufen fast taeglich Demonstrationszuege von campesinos durch die gegen unzureichende Entschaedigungszahlungen oder Minenarbeiter die gegen schlechte Arbeitsverhaeltnisse protestieren. Diese Zuege sind immer von Feuerwerkskoerpern begleitet und die Menschen luken interessiert von der Bruecke die ueber die Strasse fuehrt.
img_8892Wenn man dann die Bruecke passiert hat findet man sich ich unzaehligen maskierten Schuhputzern – las lustrabotas, zum Beispiel la gente brillante – wieder, die selbst Turnschuhe blank putzen wollen. Sie tragen Masken, denn auch im armen Bolivien ist der Job zu Fuessen der anderen nicht gerade hoch angesehen. Das Einkommen der Jungs liegt jedoch im Bolivianischen Durchschnitt.
So geht alles jeden Tag seinen chaotischen Gang und ich frage mich, wie wohl die Bolivianer ihr Hauptstadt sehen. Ich frage einige, doch mit den Antworten kann ich wenig anfangen. Das liegt zum einen noch an meinem Spanisch und zum anderen daran, dass die Menschen manchmal meine Frage nicht verstehen. Sei es drumm.

img_89061Die Polizei, dein Freund und Helfer. Die Jungs stehen hier an jeder Ecke, nur weiss ich nicht, wie sicher ich mich dadurch fuehlen soll. Wie in China gibt es hier unzaehlige Uniformen und es bedarf einer wirklich detailierten Investigation wer hier wozu gehoert. Meine Erfahrungen mit den gruenen Maennchen ist auch hier in La Paz nicht die beste. So geschah folgendes an einem Abend in der Stadt.
Kurzfristig gab es im El Carretero grosse Aufruhe. Es sollte doch noch zu irgendeiner Party in der Stadt gehen. Wir dallern also los, den Berg runter und einen Block auf der anderen Seite wieder hoch. Die vom Club wollen 10 Bolis Eintritt, sieht schlecht aus, denn ich habe nur noch genau 10 in der Tasche. Auch der Rabatt nach 20 Sekunden von 5 Bolis kann uns nicht dazu bewegen reinzugehen. Vor der Tuer wird es gerade auch lustig. Was noch fehlt ist eine Flasche Pisco. Also weiter den Berg hoch einen weiteren Block und wir finden drei Cholitasstaende die alles was das Herz begehert verkaufen. Der Baske kauft eine grosse Flasche und wir realisieren, dass wir genau an dem Penal de San Pedro, dem Gefaengnis,  stehen. Gehen also einmal um die Mauer rum und stehen auf dem Vorplatz, fragen einen Polizisten ob es moeglich ist sich hier neben die trinkenden Bolivianer zu setzen und unseren Pisco anzubrechen. Klar ist es moeglich, alles kein Problem. Zwei Minuten spaeter kommen zwei andere Polizisten an und nehmen uns hoch: “¡Pasaportes!”. Wilde Diskussionen starten. Der eine guckt geschlagene fuenf Minuten in meinen Pass und will mir erklaeren, dass mein Visa nicht mehr gueltig ist. Als ich ihm dann zehn Minuten vorrechne, dass 2. Maerz plus 30 Tage unmoeglich schon abgelaufen ist, gibt er dann doch auf. Nur leider hat einer keinen Ausweiss mit und alle sollen mit zur migration. Geld verdienen wollen die Jungs, zu verstehen bei nur 1200 Bolivianos Monatsold, denn einen Grund gibt es nicht. Wir druecken dem alten der beiden dann 60 Bolivianos in die Hand und ploetzlich winkt er seinem juengeren Kollegen zu, dass der Job getan ist. Beide winken uns hinter sich her und setzen uns freundlich in die naechste Kneipe. Die Kneipe ist eine derer, in der man innerhalb von kuerzester Zeit in politische Diskussionen verwickelt wird. Bloed nur, dass ich selbst mit meinem Spanisch verstehen konnte, dass der Typ Kram erzaehlt. So verbringen wir die Nacht in hitzigen Diskussionen ueber die politische Lage der Bolivianer, die Amerikaner, den schwehlenden Buergerkrieg zwischen dem Altiplano und dem Jungel. Wieder am Club angekommen gehen die Flaschen rum, so auch unsere. Der Lobbiest des Jungels ist weiter bei uns, nur leider schon komplett besoffen. Er wird boese als ich verweigere ihm zu glauben, dass er Vladimir Lenin heisst. Am Ende will der Tuersteher von mir 2 Bolivianos haben weil ich ja auch von seiner Flasche getrunken habe – dabei hat er hat sie mir angeboten, und zusaetzlich ging auch unser Pisco in seine Richtung. Das ist Bolivien, komme immer noch nicht auf das Land und seine Menschen klar. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion sieben.

Día del mar. Am Sonntag den 23. Maerz schlender ich durch La Paz, wie immer auf der Suche nach etwas zu essen, was nicht pollo con arroz y papa frita oder papa frita y pollo con arroz ist – wirklich nicht einfach. Jedes Land feiert hier seinen eigenen Befreier, nur leider ist die Befreiung noch nicht kulinarisch geschehen, das Essen ist echt fade obwohl eigentlich alles vorhanden ist.
Nur leider komme ich diese Tag auf dem Plaza Abaroa vor der Iglesia de San Francisco nicht mehr durch. Ueberall steht die policia militar und versucht einen grossen Zirkel zu bilden. Die Cholitas bauen hektisch ihre Staende ab, ein grossen Durcheinander entsteht. Wenig spaeter startet eine Militaerparade. img_8891Alle Arten von verkleideten und bewaffneten Typen rennen mehr oder weniger im Stechschritt ueber den Platz. Die Luftwaffe hat Gummiflugzeuge auf ihren Hueten montiert und traegt Deutsche Waffen. Die Jungs auf den Pferden versuchen ihre Gaeule waehrend der Geschichte still zu halten was sich als unmoeglich heraustellt. Die Pferde schupsen mit ihren Nasen die Soldaten immer wieder weg, beschaeftigen sich miteinander oder rennen einfach woanders hin. Keiner scheint zu wissen wohin es gehen soll und was als naechstes geschehen soll. Das ganze wird zu einer riesigen Zirkusveranstaltung anstatt zu einem militaerischen Aufmarsch der ja meist zur Praesentation der Macht dienen soll – nicht aber in Bolivien.
Gefeiert oder gedacht wird dem Pazifik Krieg vom vorletzten Jahrhundert in dem Bolivien seinen Zugang zum Meer an Chile verloren hat. In dem Krieg hat das Land Calama, Antofagasta und Arica verloren. Gehuldigt wird dann jedes Jahr Eduardo Abaroa Hidalgo, einem der Helden des Krieges. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion acht.

 

Tragende Klaenge März 29, 2009

Einsortiert unter: Dies und Das — Sebastian @ 1:48 vormittags
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Wie zu sehen und zu lesen bin ich dem Kontinent, nicht aber seiner Musik verfallen. Hier Musik, die mich bisher ueber den Kontinent, aber vor allem den Berg hoch getragen hat.

  1. Computerclub “Before the walls came down”
  2. Mono “You are there”
  3. Miyagi “Hydraulic son”
  4. The Black Angels “Passover”
  5. Brasstronaut “Old world lies”
  6. Radio Moscow “Brain cycles”
  7. Beyond the Wizard Sleeve “s.t.”
  8. The Doors “Waiting for the sun”
  9. Colour Haze “Ewige Blumenkraft”
  10. Dawn “Slaughtersun”
 

Mythisches März 23, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 4:27 vormittags
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img_8826Ich ziehe nachdem die beiden weg sind in ein anderes Zimmer, streune durch La Paz und beginne meine Vorbereitungen fuer die Wanderung von Copacabana zur Isla del Sol. Am Montag geht es dann los, lasse meine Wertsachen und ein paar andere im “El Carretero” und fahre mit dem Taxi zum Cementerio um von dort aus einen Bus in die gleiche Richtung wie auch schon nach Sorata zu nehmen. Wir setzen mit der Faehre auf die erste Insel ueber und ich stehe vor einem ueblichen Polizeiposten. Nur leider habe ich diesmal keinerlei Dokumente und zu wenig Geld dabei um den Polizisten zu bestechen. Zum Glueck gibt er sich mit meinem Internationalen Studentenausweiss zufrieden und wenig spaeter finde ich mich nach einer weiteren Stunde durch die Berge vorbei an den Inkaterassen in Copacabana wieder. Der Ort erschreckt mich – wo sind die Bolivianer geblieben? Unzaehlige Touristen flanieren durch die weisse Stadt, umso mehr Souvinierstaende verunstalten die Hauptstrasse runter zum See. Flitze schnell in ein Restaurant auf einem Hinterhof, esse, und mache mich auf den Weg nach Osten – raus aus dem Ort rund 17 Kilometer in Richtung Yampupata. Der Weg fuehrt mich immer am Ufer des blauen Sees entlang, passiere Titicachi und Sicuani in denen mich immer wieder kleine Kinder auf Geld, Suessigkeiten, meinen Walkman, Wasser und Unterkunft ansprechen. Die campesinos sprechen nicht mit mir, als ob die Kleinen von ihren Eltern geschickt und trainiert wurden, manche sind ziemlich gut – aber auch unheimlich frech und abgebrueht. Die Sonne faellt schon fast ins Wasser und die Lehmhuetten, Felder und Berge sind schon in ein warmes orange getaucht als ich nach vier Stunden in Yampupata ankomme. Von hier aus muss man mit dem Boot zur Isla del Sol uebersetzen. Es ist aber zu spaet und so frage ich die Leute im Dorf wo ich mein Zelt aufstellen darf. Zelten ist in Bolivien immer noch ueberall umsonst, da es noch keine Infrastrukturen gibt und die Leute kommen noch nicht auf die Idee dafuer Geld zu verlangen. Am Ende steht mein Zelt unten bei den Fischerbooten direkt am Wasser mit Blick auf die Insel. Die Sonne geht unter und die Sterne und der Mond auf. Immer wieder tauchen Fischer vor meinem Zelt auf und sind neugierig. Quatsche mit ihnen, die Leute sind feundlich und entspannt was ich von Bolivien leider bisher noch nicht gewohnt war. Als es dann doch zu kalt wird verkrieche ich mich im Zelt und versuche zu schlafen was nicht allzu gut funktioniert. Immer wieder wache ich auf, renne am Strand herum, beoachte die seltsamen Lichtblitze ueber dem See und hoere mit Schrecken den einzigen Esel im Dorf wie am Spiess kraehen – es ist wirklich laut, unwirklich. Die Blitze erinnern mich an diejenigen am Fusse des Aconcagua.

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Am naechsten Morgen sitzt natuerlich sofort ein Fischer vor meiner Tuer. Das Motorboot kostet 90 Bolis, ein Ruderboot, welches der Fischer selber rudert 20. Entscheide mich natuerlich fuer das letztere, gebe Martin 30 Bolis und rudere ihn rueber. Er erzaehlt mir viel ueber die Fischerei und den See und als ich ihn auf die Diebstaehle in Bolivien anspreche, sind es natuerlich immer die boesen Peruaner gewesen, die nur zum stehlen nach Bolivien kommen – es ist nicht das erste Mal, dass ich das hoere. 40 Minuten spaeter schmeisse ich meinen Ruecksack aus dem schaukelnden Ruderboot auf die Felsen und springe hinterher. Langsam dreht Martin um, wir verabschieden uns und ich schaue ihm lange hinterher wie er sich schnellst moeglich auf den Rueckweg macht um seinen Kartoffelacker zu bearbeiten. Da bin ich nun.

img_8843Inkaschoepfermythos. In der Mythologie der Inka gibt es mehrere Legenden über die Entstehung der Inka. Die bekannteste stammt vom Chronisten Garcilaso Inca de la Vega. Ihr zufolge sollen der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Mama Ocllo vom Sonnengott Inti gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee, nach anderen Mythen in der Höhle Paritambo, gelangten sie in die Welt. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit. Sie sollten ihren Wohnsitz dort gründen, wo es ihnen gelang, den Stab mit einem Schlag in die Erde zu treiben. Nach einer langen Wanderung fanden sie eine Stelle und gründeten dort um das Jahr 1200 die Stadt Qusqu (Cusco), die nach ihrem Verständnis der „Nabel der Welt“ war. Den mythischen Titicacasee, eine tiefblau oder silbern leuchtende Fläche von 8.000 km², in der mehrere Inseln liegen, u. a. die Mond- und die Sonneninsel, auf der der Ritualstein Titiqaqa liegt, betrachten die Quechua sprechenden Inka und die Aymará sprechenden Nachfahren des Volks von Tiahuanaco als heilig. Zwei Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln: Das Wort „titi“ bedeutet in der Aymará-Sprache „Bergkatze“, „qaqa“ in Quechua „Felsen“. Es wird vermutet, dass die Inkas entgegen ihrem eigenen Schoepfermythos aus dem Amazonastiefland kommen. (Quelle: Wikipedia)

Die naechsten zwei Tage renne ich einmal um die Insel, im Westen kann man Peru sehen und im Osten taucht hin und wieder die Cordillera Real auf. Es ist aber total verrueckt. Gleich nach Ankunft laeuft mir ein Mann mit Hut und Ticketblock entgegen – 5 Bolivianos Eintritt, aber nur fuer den Suedteil. Der Nordteil ist eine andere Kommune, darum darf ich da nochmal loehnen. Zwischen den beiden Grenzkontrollposten gibt es eine neutrale Zone, wie bei Landesgrenzen. Ueberall auf der Insel lauern Cholitas oder Maenner mit Hueten die Geld oder Ticket wollen. So duerfen sich die Touristen jedes Mal erneut aergern. Viel einfacher waere es einen Eintritt vorab zu verlangen. Sogar die Kinder lachen, wenn man sie fragt, ob sie auch die Gebuehr zum Erhalt der Wege gezahlt haben, den auch die Einheimischen benutzen. Ueberall werben die Indios mit der Einheit der indigenen Voelker, aber nicht mal auf ihrer eigenen kleinen Insel bekomme sie es gebacken.
Ich habe irgendwo gelesen, dass man die Insel besuchen soll um zu sehen wie die Menschen vor 500 Jahren lebten. Mir scheint jedoch, dass man ueberall in Bolivien dies betrauern kann, nicht aber auf der Insel. Ueberall stehen Hostels, Restaurants, es gibt American Breakfast, aber zum Glueck auch noch trucha aus dem See. Die Touristen lassen sich gemuehtlich von Copacabana mit dem Boot herkutschieren. Dann kann man im Suedteil oder im Nordteil aussteigen und rumbewundern. Wenn man den Eintritt eines “Landes” nicht bezahlen will, bleibt man einfach auf dem Boot sitzen.
Es gibt kaum Ruinen, ich habe da mehr erwartet. Das bringt mich aber auf eine Idee. Ich kreiere meinen eigenen Mythos, schreibe LP an, mache einen Wikipediaeintrag und schwupp, kommen mindestens ein paar Japaner angewackelt. img_8856Und wenn das irgendwann auffliegt, dann vermarkte ich das halt – schaut mal was als Touriattraktion mal funktioniert hat – duerfte gut laufen nach meinen Erfahrungen hier. Denn nach einer Uebernachtung am Strand im Zelt unter dem Tempel der Sonne haelt das Boot noch an den Islas Flotanas, auf denen die Bolivianer letzte Woche noch schnell ein paar Strohhuetten hingestellt haben und jetzt 5 Bolis Eintritt verlangen. Zum Glueck bleiben fast alle auf dem Boot und wundern sich ueber diese Obscuritaet, doch zwei Japanerinnen zieht es doch vom Boot. So laesst es sich leben.
In Copacabana wieder angekommen, verabschiede ich mich von Edu, einem Argentinier mit dem ich den ganzen Tag gewandert bin und huepfe in den Bus zurueck nach La Paz. Der See ist schoen, der Rummel der um ihn gemacht wird nicht. Positiv ist jedoch, dass es den Bolivianern, die an der richtigen Stelle hier wohnen, durch den Tourismus richtig gut geht. Nur leider haben sie an mir fast nichts verdient, aber waren ja genug andere da.

 

Hoch, runter und wieder hoch März 22, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 9:48 nachmittags
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In La Paz angekommen geht es erstmal direkt zum alojamiento “El Carretero” in dem Roberto vor zwei Jahren schon einmal war. Der Taxifahrer kennt den Namen sofort. “¿Que onda locos?” – die Tuer geht auf und ein grinsender Bolivianer oeffnet die Tuer. Den Abend duesen wir noch ein wenig durch die Stadt und am naechsten Morgen sitzen wir im Bus nach Sorata, rund 150 Kilometer im Nordosten der Stadt.

img_8675Zuerst geht es Richtung Norden aus dem alten Stadtkern von La Paz, eine unendliche Serpentine zwischen gebrannten Lehmziegelhaeusern hindurch von 3600 Metern auf 4000 nach El Alto La Paz. Dieser neue Teil ist entstanden, weil im Talkessel kein Platz mehr war. Oben angekommen scheint der Trubel noch viel intensiver als im Stadtkern. Drehe mich um, der Illimani wacht im Hintergrund ueber dem unendlichen Haeusermeer welches sich wie Moos an den Haengen des Tals klebt. Weiter geht es ueber das Altiplano in Richtung des Lago Titicaca – vorbei an Einpersonenlehmziegelfabriken, ovejas und vereinzelten Huetten. Hin und wieder kann man campesinos sehen, die alleine ihren Acker beschuften – diese Szenerie erinnert mich stark an die laendlichen Gegenden in China. Rechts begleitet uns immer die Cordillera Real welche sich im Osten der Stadt wie eine Mauer von Sueden nach Norden zieht. Die schneebedeckte Giganten werden von den aufkommenden Wolken umschmeichelt. img_8687Hinter der Bergkette faellt das Altiplano hinab in die Yungas. Wir passieren eine Ecke des Lago Titicaca und fahren direkt auf Illampu (6368 Meter) und den weniger bekannten Janq’uma (6427) zu die zusammen wie ein uebermaechter Waechter ueber Sorata tronen. Kurz vor Ende der Fahrt, der Transporter ist mittlerweile bis zum Zerbersten gefuellt, geht es eine nicht enden wollende Serpentine wieder hinab auf 2700 Meter. Wir tauchen durch die Wolken und finden uns ich einem satten Gruen wieder. Das Tal scheint unendlich tief, Haeuser sind nur kleine Punkte irgendwo da unten. Nebelschwaden und Wolken ziehen durch das Tal und ab und zu bricht die Sonne durch und zaubert eine magische Stimmung zwischen die Berge. Doch ich werde wieder aufgeweckt, unzaehlige Erdrutsche haben die Strasse teilweise fast unpassierbar gemacht und so rumpelt der kleine Bus hin und wieder durch und ueber matschige Lehmabgaenge. Auch der Rest der Strasse scheint nicht fest, Wasser fliesst von den Anhoehen und der naechste Abgang scheint nur eine Frage der Zeit. Im Tal steht, wie auch in La Paz, viel Eukalyptus um die Haenge zu befestigen.
Sorata ist klein und das von der Tourismusstrategie auserkorene Trekkingzentrum des Landes. img_86421Das fuehrt dazu, dass an alles Enden des Marktplatzes guias stehen und ihre Dienste anbieten. Es gibt eine Trekkingtouristeninformation in der die Preise fuer die Touren doppelt so hoch sind und in der ich gesagt bekomme, dass es voellig unmoeglich und polizeilich verboten ist alleine die den Berg hochzurennen – natuerlich! Abgefahren wird es nur, wenn ich spaeter hoere, dass die Touristen die noch nie den Pfad gegangen sind ihn besser finden als der Guide und die Gruppe vor dem Verlaufen retten muessen. Abends hat der Guide dann geweint – skurril. Die Preise sind nicht besonders hoch, uebersteigen aber mein Tagesbudget knapp und so kommt nur in Frage alleine zur Laguna Glacial hochzulaufen. Bin nur noch ein wenig skeptisch, ob dass koerperlich mit Rucksack moeglich ist, denn von 2700 Metern auf rund 5000 ist eine andere Geschichte als von Mehresniveau auf 2000 Meter.
img_8684Erstmal machen wir es uns im Casa Reggae gemuehtlich, einem kleinen alojamiento mit einem Hund, mehrern Katzen, einem Affen der auf den Namen Wilson hoert (oder auch nicht) und Freunde daran gefunden hat die kleinen Katzen zu knuddeln und sie hinter sich herzuschleifen und einer Gruppe abgefahrener Franzosen die den ganzen Tag avangardistische Revolutionsmusik hoerend rumartesanian. Als ich sie dann frage, was die Texte so bedeuten, weil ich nur Kalaschnikov und irgendwelche Jahreszahlen verstehe werden sie stutzig, gucken runter und stammeln rum – erfahren habe ich es nicht, ich glaube sie sind ziemlich schuechtern und nur hier in den Bergen cool. In unser Zimmer kommen wir ueber Holzbretter an der Aussenwand und der Ausblick ist gigantisch. Wir gucken direkt das Tal hinab und die Wolken ziehen auf Augenhoehe vor der Feldern an der anderen Talseite vorbei. Irgendwo da hinten kriecht ab und zu ein kleines Auto den Berg entlang.
Wir dallern die Tage ueber durch den Ort, schaffen es wegen dem allgemeinen Spass nicht zur Gruta de San Pedro und fahren nach zwei Naechten wieder nach La Paz. Habe mich nach ein paar Spaziergaengen durch das bergige Sorata entschieden, dass es noch unmoeglich ist mit vollem Gepaeck ueber die Wolken zu steigen, wenn ich nicht irgendwann rueckwaerts wieder den Pfad runterpurzeln will weil mir die Luft ausgegangen ist.
Zurueck in La Paz und im “El Carretero” ist der Innenhof voller Leute, Floetenspiele, Trommeln hallen und ein Akkordeonspieler springt herum. Die Mitarbeiter wuseln mitten in den Leuten herum. Wir bekommen wieder ein Zimmer zur Strasse heraus und machen es uns am letzten Abend gemuehtlich. Muede bin ich, und so kommen wir leider am Samstag Abend nicht mehr vor die Tuer. Am naechsten Morgen muessen Pamela und Roberto leider ueber Arica zurueck nach Hause nach Chile. Die Stimmung ist trotzdem ausgelassen und herzlich. Dann sind die beiden verschwunden, muss mich erstmal wieder neu orientieren, bin wieder alleine – das ist gut, aber trotzdem sind sie mir ans Herz gewachsen und ich hoffe vor einer Stunde hat nicht das letzte Mal Robertos Gelaber und Pamelas Lachen in meinen Ohren geklingelt. Abschied.

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Lehrgeld März 17, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 4:28 vormittags
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img_8497Der Bus faehrt von Uyuni los. Wieder ist es ein Gluecksspiel ob Fenster aufgehen und wenigstens ein wenig frische Luft uns am Leben erhaelt. Dicht bepackt, das Gepaeck auf dem Dach, die Scheiben verschmiert kriecht er die ersten Huegel hoch, in der Ferne ist der Salar noch zu sehen, links und rechts stehen Kakteen majestetisch auf den Bergen. Es ist Regenzeit, die Strasse ist ein Desaster. Immer wieder muessen wir Flusslaeufe durchqueren – da hilft nur die Hoffnung, dass kein Schieben angesagt ist. Am Ende brauchen wir acht anstatt sechs Stunden fuer die Strecke von 210 Kilometern – nicht so schlecht, denn es kommen uns auch andere Geschichten zu Ohren. Zum Beispiel von Argentiniern die von der Grenzstadt Villazón bis Potosí nicht die veranschlagten 10 Stunden, sondern nette 27 brauchen, ohne Klo, ohne Essen – einfach so.
img_85521Potosí ist eine Minenstadt. Der Sumaq Orqo, in Quechua, oder cerro rico tront wie eine fruchtbare Frau ueber der Stadt, so jedenfalls verstehen die Einheimischen ihren Hausberg. Der Glanz vergangener Zeiten ist nicht ganz erloschen auch wenn die Spanier laengst fort sind. Hinterlassen haben sie eine wunderschoene Altstadt die sich mit tausenden kleinen Gassen an die Huegel schmiegt. Die Realitaet ist aber abseits touristischer Romantik hart. Es arbeiten immer noch viele Menschen, ja ganze Familien, in dem Berg. 50 Bolis, rund 6,50€, ist der Wochenlohn eines Arbeiters der unter mittelalterlichen Arbeitsbedingungen cocablaetterkauend schutzlos die Gaenge entlangkriechen muss. Meist arbeiten auch Kinder in den Stollen weil sonst der Familienunterhalt nicht zu bewerkstelligen ist. Da stehen wir nun und wollen Spass, Spannung und Sinn, Abendteuer und die Welt entdecken und diese armen Teufel sterben ohne das jemand Notiz davon nimmt. So ist auch fuer mich ein Besuch in den Minen ein moralisches Dilemma. Hauptattraktion ist naemlich ein Besuch in den Minen der touristisch vermarktet wird. Auf der einen Seite bekommen die mineros auch einen, wenn auch sehr geringen, Teil der Einnahmen, auf der anderen Seite habe ich nicht die geringste Lust als europaeischer Elendstourist mir staunend anzuschaun, wie die Menschen im Abgrund der Hoelle ihren Lebensunterhalt verdienen – oder halt auch eben nicht – und dies dann als “Abendteuer” oder “Event” in mein Reisetagebuch zu schreiben. So entscheide ich mich nicht zu gehen, es sei denn ich lerne einen Einheimischen kennen und es ergibt sich was. img_8533Roberto geht, waehrend Pamela und ich lesend und kochend im Hostel warten. Nach seinem Bericht bin ich unentschieden, ob ich nicht doch haette gehen sollen – sei es drumm. Die Tage in Potosí erkunden wir weiter Bolivien und seine Einwohner. Die schmalen Strassen sind verstopft, ein Polizist versucht den Verkehr zu ordnen, wer auf ihn hoert hat schon verloren und so geht alles seinen gewohnt bolivianischen Gang, heisst, es geht nicht viel. Ich renne meist mitten auf der Strasse zwischen den kriechenden oder stehenden Autos hindurch weil das meist der einzige freie Weg ist – es macht Spass, ist eine Art Geschicklichkeitsspiel. Roberto ruft hinter mir her: “Ey, Germany crazy!!” – diesen Spitznamen werde ich in allen Spanisch-Englischen-grammatischen Abwandlungen nicht mehr los. Ueberall hupt es und auch hier sitzen an jeder Strassenecke Cholitas die versuchen alles erdenklich moegliche zu verkaufen. Leider ist es weiterhin schwierig sich aus der Touristenhuelle zu loesen und wie in Chile und Argentinien Teil des Lebens zu werden – ein bescheuertes Gefuehl. Argwoehnisch gucken auch hier die Einheimischen hinter uns her, sprechen kaum, sind genervt oder frustriert, Ablehnung trifft uns fast ueberall auch wenn wir versuchen uns von den Kanadiern zu unterscheiden, die wir auch hier wieder treffen – diesmal ob der Hoehe von ueber 4000 Metern nach ein paar Bier total betrunken.

img_85921Nach drei Naechten fahren wir weiter nach Sucre, la capital constitucional y histórica de Boliviala ciudad blanca, so genannt wegen den durchgaengig weissen Colonialbauten im Stadtkern. Die Fahrt geht fast durchgaengig bergab da Sucre auf laecherlichen 2750 Metern liegt. Mit der Hoehe nimmt auch die Zustimmung zu Evo Morales ab, wir verlassen Evo”Si”-Land und tauchen ein in die Hoehe der gemischten Meinungen. Trotzdem ist die Strasse noch gesaeumt von angepinselter Symphatie, denn die Infrastrukturmassnahmen werden zumeist von aermeren Bolivianern durchgefuehrt die von Morales’ Politik der dignidad, wie zum Beispiel der renta dignidad, profitieren. Seine Politik, “¡Cambio!” beguenstigt die zumeist indigenen Bewohner der Berge und dementsprechend ist die Propaganda dem leider niedrigen Alphabetisierungsgrad angepasst.
Diesmal gehen die Fenster im Bus auch wunderbar zu oeffnen und so merke ich wie sich das Klima jeden Kilometer veraendert und milder wird. Baeume tauchen auf, die Felsen werden gruener und die Luft wird feuchter. Angekommen lassen wir unsere Rucksaecke in der Busstation und tingeln durch die Stadt. Kaufe mir einen grossen Sack fuer meinen Rucksack fuer zukuenftige Bustransporte denn durch das Gewicht in Kombination mit den vielen Busreisen ist er schon relativ stark in Mitleidenschaft gezogen worden, ausserdem ist ein Bolivianischer Plastiksack weniger interessant als ein gruener “Greengo”-Rucksack. Wir fahren noch am Abend weiter nach Cochabamba um von dort nach Villa Tunari in den Jungel runter zu fahren und dann von Puerto Villarroel nach Trinidad mit dem Schiff, wollen keine Staedt mehr.

img_8596Die Fahrt dauert zehn Stunden. Nachts haelt der Bus gluecklicherweise auch mal an, denn jegliche Sanitaeren Anlagen sind Fehlanzeige und der kleine enge Sitz mit fast keiner Beinfreiheit bohrt sich in meinen Ruecken. Ich frage mich, wie das der Typ zwei Reihen hinter mir macht – er ist mindestens zehn Zentimeter groesser. So schluepfe ich gebeugt wie eine Cholita aus dem Bus in dem es fast kein Sauerstoff mehr gibt und finde mich in naechtlicher feuchter Hitze wieder – wir muessen die ganze Zeit bergab gefahren sein. Vor uns liegen noch einmal fuenf Stunden wieder bergauf, denn Cochabamba mit seinen ueber 1.500.000 Einwohnern liegt nur 200 Meter tiefer als Sucre. Der erste Teil des Stadtnames bedeutet auf Quechua “See”, auch fuer uns wird die Lagune inmitten der Stadt, die von einer 40 Meter hohen Christusfigur auf einem Huegel bewacht wird, erhebliche Bedeutung erlangen. Halb sechs kommt der Bus an und wir verbringen noch eine Stunde im Terminal um nicht im Dunkeln im Bahnhofsviertel rumhuepfen zu muessen, dann geht es los. Rennen rum, fast alles hat noch zu und so wartet Roberto an einem Hostel und Pamela und ich gehen weiter auf die Suche – ohne Rucksaecke. In der calle 25 de Mayo fragt uns ein kleiner untersetzter Typ mit Aktenkoffer nach dem Weg zum Terminal. Pamela quasselt los und ich guck weiter voellig uebermuedet in der Gegend herum. Ploetzlich kommt ein anderer Typ von was weiss ich woher angesprungen, fuchtelt mit einer Plasikkarte rum und schreit irgendwas von Falschgeld, Drogenkontrolle weil es Cochabamba so viele Drogendelikte gibt. Er ist wahnsinnig hektisch, laesst uns keine Ruhe und will unsere Ausweise sehen. Irgendwie erinnert er mich an die OS7 in Chile und nach den Geschichten der Polizei aus Venezuela komm ich erstmal gar nicht auf die Idee, dass irgendwas falsch sein koennte. Ist es aber, denn nur wenig spaeter bin ich 200 Euro, 300 Bolivianos und 100 Sols los! img_8497In Bolivien ist alles moeglich, Lektion drei. Verdutzt stehen wir an irgendeiner Ecke, Pamela ist all ihr Geld los, rund 70.000 Pesos. Voellig verdattert trotten wir zu Roberto zurueck der uns natuerlich erstmal nicht glaubt. Als denn aber schnell klar wird, dass es doch kein Spass war, checken wir sofort im Hostel “Elise” ein und gehen erstmal fruehstuecken. Die Stimmung ist natuerlich ganz wunderbar – das erinnert die beiden an einen Fernsehwerbespott der Chilenischen Regierung, der helfen soll, Menschen denen etwas unglueckliches passiert ist wieder auf die Beine zu helfen. Die Melodie und “pensar positivo” am Schluss bringt uns jedes Mal zum Lachen und wird somit zur Hymne fuer zukuenftige Missgeschicke. Legen uns kurz schlafen und machen uns dann auf zur policia turistica. Dort erklaert man uns, dann man uns hier nicht helfen kann, wir zur Laguna Alalay muessen, dort sei die zustaendige Behoerde. Wir sollen aber aufpassen und ein Taxi nehmen, denn dort ist es gefaehrlich! Irgendwie muss fuer Bolivien SimCity umgeschrieben werden. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion vier.

Ein Bolivianisches Polizeirevier. Also geht es ab zur Polizeistation. Dort ist es erstmal schwierig ueberhaupt irgendwen zu finden. Ein Haus weiter gelangen wir dann an den richtigen. Der Typ zueckt nach langem zoegern ein kleines Stueck Papier und faengt an sich Notizen zu machen. Der Fernseher laeuft weiter und so muessen wir viele Sachen zwei Mal sagen, weil er uns nicht versteht. Der Raum ist dunkel, die Decke der Baracke niedrig. Immer wieder schielt der Polizist hinter seinem kleinen Holzschreibtisch hervor auf dem sich nichts weiter befindet als ein Hefter, die Fernbedienung des Fernsehers und jetzt zum Glueck auch ein kleines Stueck Papier mit Notizen. Eine Lampe haengt krumm von der Decke und spendet kuschliges Schummerlicht. In diesem Schuppen wuerde in Deutschland niemand freiwillig sein – er erinnert mich ein wenig an die verfallenen Baracken in Rostock, die ich als kleiner Junge auf den unendlichen Streifzuegen in alle Ecken der Altstadt gefunden habe – nur hier sind die Fenster nicht zerschlagen, sonst besteht kein anderer charakteristischer Unterschied. Zum Glueck finden sich noch zwei Stuehle, Marke Holzstuhl-Grundschule, und wir koennen auch sitzen. Ploetzlich kommen zwei andere Polizisten in zivil rein, ihre Schiesseisen wie Cowboys hinten im Hosenbund tragend und schieben einen Jugendlichen vor sich her. Der Trupp biegt in den engen Flur in ein anderes Zimmer ab. Ploetzlich wird es unruhig, unser Zustaendige rennt auch nach hinten, hinter verspiegelten Fenster renne zwei andere in Richtung des Raumes. Es knallt wieder und immer wieder, sie scheinen mit irgendetwas hartem auf den jungen Mann einzupruegeln – bei jedem neuen Schlag zucke ich weiter zusammen. Wir sitzen mit weit aufgerissenen Augen da und koennen es nicht fassen – bloed komm ich mir vor mit meinem Anliegen einen offiziellen Zettel wegen des Ueberfalls haben zu wollen. Irgendwann hoeren die scheppernden Schlaege auf – uebrig bleibt ein leises Wimmern. Dann werden wir in den Raum gebeten, bin mir nicht sicher ob ich da wirklich rein will, aber es ist zu spaet. Pamela wartet vor der Tuer und ich muss mich hinter den Bildschirm klemmen und Powerpointpraesentationen und Worddokumente voll Photos potentielle Taeter durchgucken. Der junge Mann haengt gleich hinter meinem Bildschirm in der Liegestuetzeposition mit den Fuessen auf dem Schreibtisch und mit den Gesicht im Dreck. An einem anderen Schreibtisch tuscheln die Typen in zivil irgendwas. Ich kann mich kaum auf die Bilder konzentrieren – “¡No, no, no, no… !”. Dann ist Pamela drann. Sie identifiziert den Typen mit dem Aktenkoffer sicher und den falschen Polizisten mit hoher Wahrscheinlichkeit. Ich werde wieder reingebeten, mir rauscht der Kopf, will nur noch weg. Dann fragt uns der Typ noch wie lange wir in der Stadt sind. Er will die Taeter fassen lassen und wir sollen wiederkommen und identifizieren. Das ist uns dann wirklich nichts nach der Aktion! So sollen wir am Montag frueh wiederkommen um uns das offizielle Dokument zur Tat abholen. Voellig entrueckt stehen wir wenig spaeter vor der Baracke.
Am naechsten Tag fahren wir wieder hin. Unser zustaendige Typ ist noch nicht da, so setzen wir uns eine Weile ins Café in der Station. Irgendwann taucht er dann auf, muss alles noch einmal aufschreiben, weil das Schmierzettelchen von gestern natuerlich nicht mehr da ist und eine ganze Weile spaeter halten wir zwischen den unzahligen anderen Bestohlenen und Ausgeraubten endlich den Wisch in der Hand – das Papier mussten wir vorher kaufen gehen. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion fuenf.

Auch in Cochabamba gibt es an jeder Ecke pollo. Es ist billig und man kann es hoechstens eine Woche lang essen. Pamela ist die erste die aufgibt. Am Montag Abend, ich bin schon laengt weggepennt, rennen die beiden noch einmal zur naechsten Ecke neben unserem Hostel. Das Essen kommt ohne Messer. Als sie danach fragen wird ihnen mitgeteilt, es sei zu gefaehrlich hier Messer auszuteilen, darum gaebe es keine. Schnell haben sie gegessen, sehr schnell. In Bolivien ist alles moeglich, Lektion sechs. Am Dienstag geht es Pamela dann richtig elend – pollo war wohl nicht mehr gut, ist ja auch schwierig bei fritiertem Huhn zu erkenne wie alt es schon sein mag.
Ich bin immer frustrierter in Bolivien, die Touristenglocke bleibt bestehen und die Leute gucken uns ob alleine, zu zweit oder zu dritt nicht mit dem Arsch an. Langsam ist es mir dann auch egal. Am Dienstag wollen wir eigentlich nach Villa Tunari, runter in den Jungel, doch Pamela geht es den ganzen Tag schlecht und sie liegt im Bett. Roberto und ich machen uns auf die Suche nach etwas zu essen und als es im “Kikiriki” kein frisches Huhn mehr gibt gehen wir quer ueber die Kreuzung, genau auf die andere Seite ins “Kokorokoo”. Immer noch steht im Raum ob selva wirklich Sinn macht. Ich bin nach unserem Ausflug ins Polizeirevier der Meinung, dass ich die dazu gehoerigen Krankenhaeuser unter keinen Umstaenden kennenlernen will. Zurueck im Hostel treffe ich auf zwei alte Damen mit grossen Rucksaecken, die beiden moegen so zwischen 55 und 65 Jahren sein – super schoen! Quatsche eine Weile mit ihnen und zum Schluss steht fest – kein Jungel fuer mich, keine Bootstour nach Trinidad! Peru und Ecuador haben auch Jungel und zwar mit weniger Dengue – passt mir irgendwie besser. In Kolumbien wird es leider nicht moeglich sein denn im Jungel sitzt immer noch die FARC.
Also entscheiden wir uns direkt nach La Paz weiter zu fahren und steigen, entgegen den Plaenen nach dem Ueberfall nicht mehr ueber Nacht Bus zu fahren, um 23 Uhr in den Nachtbus wieder rauf auf das Altiplano – ¡vacan!.

 

Eine neue andere Welt irgendwo zwischen hier und dort März 16, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 1:01 vormittags
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Renne also am Sonntag an all den Schoppen vorbei zur Mal, kann mir nichts schoeneres vorstellen. Die Minenarbeiter der Stadt lassen es so richtig krachen, macht die Stadt in der es nur einmal im Jahr im Juni regnet weniger sympatisch denn die Stimmung auf den Strassen ist stark veraendert. Laufe an ein paar Zeltwohnungen vorbei und finde mich in der Schlange derer wieder, die es sich leisten koennen ins Einkaufszentrum zu gehen. Das sind einige, aber viel mehr haengen Arm in Arm argwoenisch guckend im Bierrausch auf der Strasse herum – komisches Gefuehl hier den Wochenlohn mal so eben fuer Schuhe auszugeben, nur weil der Herr irgendwelche Stein- und Matschstrassen in den Bergen wegen dem Ausblick mit vollem Rucksack hoch- und runter krauchen will. Finde Schuhe, nur leider hat die Verkaeuferin keine andere als eine Tuete die mich als RKF Kaeufer eindeutig identifiziert. So schleiche ich wieder Richtung Innenstadt. Halte zwischendurch noch an einem Strassenstrand an, um Fruechte fuer die Fahrt zu kaufen, leider berechnet mir die arme Frau nicht mehr und so schleiche ich schlechten Gewissens mit leicht gekruemmter Haltung davon nachdem sie mein Abschiedsgruss vor lauter Sorge schon nicht mehr wahrgenommen hat.
img_8433Naechsten Morgen 5:00 Uhr hoere ich zum Glueck den Wecker und renne zum Bus nach Ollaguee, steige in den falschen ein, bezahle nochmal die 5000 Pesos und lehne mich neben einem in Wolldecken eingehuellten alten Mann zurueck. Die Fahrt ist mit Worten nicht zu beschreiben, an Salzseen und deren kleinen Doerfern vorbei, Schluchten, weite braeunliche Felder, vicuñas und am Horizont Berge und Vulkane von 6000 Meter Hoehe. Versinke wieder in der Landschaft mit Musik, Mono’s “You are there” Album laesst mich in diesem Rumpelbus fliegen, die Weite der Landschaft, die nicht zu greifende Groesse jagt mir einen Schauer nach dem naechsten ueber den Ruecken und atemlos ob meiner Position irgendwo zwischen Chile und Bolivien starre ich aus dem Fenster. Der Holperweg fuehrt nach Ollaguee, einer kleinen verlassenen Bahnarbeiterstadt auf ueber 4000 Meter an der Grenze zu Bolivien. Die Chilenischen Grenzformalitaeten laufen ohne Probleme – doch dann kommt Bolivien! In Bolivien ist alles moeglich, Lektion eins.

Treffe Pamela und Roberto, zwei Chilenen aus Coquimbo. Wir werden irgendwo im Niemalsland ausgesetzt um auf den Bolivianischen Bus zu warten, denn der Chilenische darf die Grenze nicht ubertreten, der Bolivianische ebenso nicht, bin mir ganz sicher, denn die beiden Laender moegen sich nicht besonders (wie auch immer das geht). Wie es in der Realitaet aussieht bricht dann ueber uns hinein. Der Bolivianische Bus riecht komplett anders, wie Asien hat auch Bolivien seinen eigenen Geruch – hier ist es durch das kauen der ojas de coca. Am Bolivianischen Grenzposten angekommen lese ich mir erstmal alle moeglichen Einreisebestimmungen durch – also Amerikaner will ich hier nicht sein, teure und schwierige Angelegenheit. Aber auch fuer uns wird es komisch. In dem kleinen Hauesschen sitzt ein handfester schiesswuetiger Soldat der Pamela und Roberto erstmal klar macht wer hier der Herr in der Lehmhuette ist. Wild fuchtelnd und befehlend wird ihnen aufgrund eines selbstgeschriebenen Papiers des Grenzsoldaten erstmal die Einreise verweigert, da helfen auch die 100 Bolivianos Schmiergeld nicht – mein Diplomthema live, zum kotzen! Denn auch ich krieche zu dem Typen, bezahle die ueblichen 21 Bolis Schmiergeld, bekomme leider nur 30 Tage Aufenthaltserlaubnis und bin froh, dass alle Stempel an rechter Stelle zu finden sind. Die anderen beiden flehen und betteln weiter und zum Schluss kommen sie dann doch durch, teure Angelegenheit. img_8435Der Typ in seiner Huette hat noch nicht vergessen, dass die Chilenen den Bolivianern den Zugang zum Meer genommen haben. So hat hier jedes Land mit dem anderen so seine Spielereien, die im Gegensatz zu Europa hier aber offen zu Tage treten. Argentinien mag Chile nicht, Chile Argentinien nicht, Peru mag Chile nicht, Bolivien mag Chile nicht und Chile guckt wegen des Chaos in beiden Laendern etwas laechelnd auf die beiden hinab – zum Glueck denken die Menschen in den Laendern da etwas entspannter, auch wenn hier in Bolivien alles etwas anders zu sein scheint, ich bin gespannt.
Auf der Fahrt nach Uyuni kommen wir an vielen kleinen Orten und Lamas vorbei, weinende Haeuser aus Lehm, Blech und Stroh, nur selten fertig gestellt – alles wirkt ausserirdisch vor dieser irren Bergkulisse. Wir brauchen fuenf Stunden fuer die 200 Kilometer – daran muss ich mich wohl auch gewoehnen. Uyuni blueht fuer Bolivianische Verhaeltnisse durch die vielen Salar Touristen auf. Es gibt zu meinem Glueck sogar ein ATM und wenig spaeter haben wir zur Siestazeit die billigste Absteige gefunden – 20 Bolis pro Person. Dumm nur, dass es fast kein Wasser gibt und wir mit dem spuehlen des Geschirrs immer bis naechsten Morgen warten muessen oder es draussen in den naechtlichen Regen stellen. Duschen geht gar nicht, wenn man Glueck hat gibt es genug fuer die Zaehne.
img_8437Wir machen uns auf die Suche nach Moeglichkeiten die Touritouren auf den Salar zu umgehen. Tausende Fragen und am Abend gibt es die Supersonderangebote, doch nach zwei weiteren Agenturen wird klar, dass alle zu einer bestimmten Zeit den Preis um 20 Bolis senken – so ein Quatsch! Also entscheiden wir uns den Bus nach Colcha”K” zu nehmen, der nach Robertos Informationen direkt ueber den Salar nach Sueden faehrt. Preis ausgehandelt, und schon stehen wir naechsten Morgen im lokalen fuenf Sterne Bus nach Colcha”K”, es gab keine Sitzplaetze mehr. Das Gefaehrt rast mit 20km/h los und wir brauchen fuer die zwanzig Kilometer zur Rampe auf den Salar de Uyuni eine Ewigkeit. Kurzer Stopp an den artesania Staenden und dann faehrt diese Schaukel doch tatsaechlich auf den Salzsee – nichts ist mehr zu sehen, selbst mit Sonnenbrille faellt es schwer. Irgendwann, als wir in der Ferne das Salzhotel erahnen haelt der Fahrer fuer uns an und wir tappen mit den FlipFlops raus auf Salz – ins Nirgendwo. Ueberall weiss, renne barfuss um mein Wunde von El Bolsón zu heilen und bewundere das Wetterspiel, auf einer Seite ist alles schwarz, auf der anderen blauer Himmel. Der Bus verschwindet am Horizont und wir dallern los, irgendwie zu diesem dunklen Punkt am Horizont der sich wegen der Entfernung spiegelt und das Salzhotel sein soll. Ist es dann auch. Dort angekommen machen wir ein paar Bilder und quatschen mit den Leuten der Touren um eine Mitfahrgelegenheit zurueck nach Uyuni zu finden – doch nichts, alle fahren in die andere Richtung. Die dunkle Front aus Richtung der Berge kommt naeher und es faengt an zu stuermen und zu regnen – trampen auf dem Salzsee – es stellt sich als sehr schwierig heraus. Zwei Jeeps passieren das Hotel, aber ungefaehr 500 Meter entfernt. So rennen wir hin und her zwischen den Jeeps und bald geht nichts mehr, die Hoehe ist einfach zu schlauchend. Ploetzlich taucht ein grosser Bus am weissen Horizont auf der aehnlich dem mit dem wir gekommen waren zu sein scheint. Wir mobilisieren alle Kraefte und rennen wieder wild winkend und prustend ueber das Salz – doch nichts, der Fahrer faehrt vorbei, keine Ahnung ob der uns nicht gesehen hat oder es ihm egal war, dicht genug drann waren wir. img_8449Aber in Bolivien ist alles moeglich, Lektion zwei. Es wird langsam kalt. Unendliche Momente spaeter taucht wieder ein Jeep auf, zwei, drei und sie zielen nach unserem Ermessen nach genau auf uns – Hoffnung. Nervoes laufen wir hin und fangen an die Fahrer zu bequatschen was wieder nicht viel hilft. Als aber die Touristen merken worum es geht und es geht alles glatt. Die verrueckten Kanadier, die wir schon in Uyuni an DEM Touristentreffpunkt ueberhaupt getroffen haben, dem Geldautomaten, springen aus dem zweiten Jeep, zuecken ihre Zigaretten und grinsen uns an, eine Schwerinerin die mir schon in San Pedro de Atacama ueber den Weg gelaufen ist huepft aus dem ersten und wilde Gespraeche starten. Am Ende nuetzt mir das erste Mal auf der Reise mein Englisch mehr als das Spanisch und Pamela und Roberto stehen daneben und laecheln, sie verstehen fast nichts. Verwirrt rennen die beiden mir hinterher, auch mal schoen, und ich setze Pamela in den ersten, Roberto in den zweiten und mich in den letzten Jeep – los ging die Fahrt Richtung Uyuni. Wir hatten Glueck, denn wegen des Wetters hatten sie die Touranbieter gebeten erst zur Isla del Pescado zu fahren und dann zum Hotel, nicht anders herum wie sonst ueblich, nur so konnten wir sie um diese Zeit erwischen, sonst waeren sie wahrscheinlich auch am Horizont an uns vorbei gerauscht. img_8453Pamela hatte das beste Auto erwischt – die Kanadier, bei mir geht es eher ruhig zu. Erfahre was es mir der Tour auf sich hat, die wir schon an der Grenze zu Bolivien mit ihrem gigantischen Truck gesehen hatten. Es ist moeglich acht Monate ueber den Kontinent zu fahren, man kann rauf und runter huepfen wo und wie man will und bezahlt dann nur die entsprechende Zeit. In Uyuni angekommen geben wir den Fahrern noch Trinkgeld und sind jeder fuer 25 Bolis anstatt der ueblichen 150 auf dem Salar gewesen – toll!
So ist es doch noch moeglich den naechsten  Tag unser Busticket nach Potosí einzuloesen. Ich wuerde gerne etwas laenger bleiben, aber die beiden Chilenen haben leider nicht so viel Zeit und ich entscheide mich weiter mit ihnen zu fahren – wir lachen einfach zu viel…

 

 
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