Kosmonaut im Farbsternregen

Ausgedrueckte Eindruecke

Versuch einer kosmonautischen Reise Februar 24, 2009

Einsortiert unter: Tagebuch — Sebastian @ 9:21 nachmittags
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Freitag schaffe ich mich endlich von El Bolsón zu loesen. Das Schicksal goennt mir kein Ticket von Bariloche nach Osorno, also sitze ich auf meinen restlichen 120 Pesos und ueberlege im morgendlichen Bus von El Bolsón nach Bariloche zwischen wieder drei Israelis was damit zu tun ist. In Bariloche angekommen gibt es nichts Eiligeres zu tun als einen Bus nach Villa St. Agostura zu finden, dem Ort der am dichtesten an der Grenze zu Chile liegt. Funktioniert auch ganz gut, nur in dem besagten Ort stehe ich mir an der Strasse die Beine in den Bauch – trampen ueber die Grenze ist schwierig, noch schwieriger wird es wenn da noch rund zehn andere Tramper stehen. Mein Einpersonenvorteil bringt mir auch nichts – so hole ich die Jonglierbaelle raus und vertreibe mir an der staubigen Strasse die Zeit und warte bis ich wieder Lust habe den gelangweilten wohlhabenden Autofahrern (denn nur die koennen sich ein Auto plus Urlaub jenseits der Grenze leisten) bittend ins Gesicht zu laecheln. Wie aus dem Nichts kommt ploetzlich ein bekanntes Gesicht vorbeigelaechelt – ein Maedel vom Flor de Luna Festival. Nach einer weiteren Zeit ohne Erfolg schlender ich zu ihr und ihrem Begleiter rueber und wir fangen an Kekse zu essen und Loecher in die Bergwipfel zu starren. Als ich den beiden von der Tankstelle die Strasse runter erzaehle machen sie sich auf um dort ihr Glueck zu versuchen: “Hasta mas tarde, quizas?!…”. Wenig spaeter halte ich wieder meinen Daumen in den Wind und ploetzlich haelt ein Auto, es sind die beiden von eben. Los geht die Fahrt, eine Stunde Wartezeit an der Argentinischen Grenze, eine weitere an der Chilenischen und ab geht die Fahrt durch Dunkel rein nach Chile, vorbei an den Waeldern, die ich in Argentinien so vermisst habe. Von diesem Augenblick ist klar, auch wenn mein Fuss noch immer schmerzt, ich werde den Camino Baños de Caulle um den Volcán Puyehue machen. Unsere Fahrerin ist Investmentberaterin und als Einzige hat sie den Zettel des Zolls nicht wahrheitsgemaess beantwortet. In Rauchschwaden duesen wir nach Entre Lagos und sie zeigt uns dort ein kleines Stueck Wiese an der Strasse auf dem wir uebernachten koennen!

sin-nombreAm naechsten Morgen geht es dann los. Ab nach Entre Lagos, stuerze in einen Supermarkt und kaufe alles ein was mir in die Finger geraet und halbwegs sinnvoll fuer eine Wanderung ist: Salami, Tuetensuppen, Honig, Broetchen, Schokolade, Tunfisch, Nudeln, Nuesse und so weiter, da ich wieder drei Chilenen fragend fuenf verschiedene Abfahrtszeiten fuer den Bus bekommen habe. Eigentlich wollte ich den Trek alleine machen, doch schon im Bus wird klar, das es nichts wird. Dieser ist so voll, dass ich neben dem Fahrer auf tausenden Taschen in der Windschutzscheibe sitze und mir die Sonne waehrend der rasanten Fahrt auf den Bauch scheinen lasse. Am Ende bleiben drei Israelis, es sollten viel mehr werden, und zwei Daenen uebrig. Wieder geht es ueber tausend Meter mit vollem Gepaeck den Berg hoch. Treffe auf den letzten Metern Jason wieder. Oben angekommen dauert das Kochen bis spaet in die Nacht. Ploetzlich hoer ich mich irgendwas schrein, renne um das Zelt der schlafenden Daenen und starre unglaeubig zum Himmel, der Zeigefinger meiner rechten Hand sticht Loecher in den sternenklaren Himmel: “Meteroid, aehh Asteroid aehh whatever…!”.sin-nombre2 Egal wie es hiess alle sahen es denn der komplette Berg ist hell erleuchtet und ein gigantischer Meteroid dringt in die Atmosphaere ein und zieht einen unendlichen Schweif aus Licht und Rauch hinter sich her. Vorne ist es ein kleiner schwarzer Punkt der von einem Feuerwirbel umgeben ist. Wenig spaeter ist er verglueht doch alle starren immer noch an die Stelle neben dem Vulkan an der nur noch ein Rauchfaden Zeugnis der Ereignisses ist. Entrueckt setzen sich langsam alle wieder auf die Holzbaenke und quasseln wild durcheinander. Die nunmehr schon acht Israelis sprechen nur noch Hebraeisch, nun versteh ich nichts mehr. Verzaubert lege ich mich wenig spaeter in mein Zelt und versinke in tiefem Schlaf.
img_82441Der naechste Tag ist wolkig und ich beeile mich mein Zelt einzupacken und mit Jogef, auch einem Israeli, auf den Vulkan zu klettern. Es wird immer stuermischer und oben angekommen fliegt uns das leichte Vulkangestein um die Ohren – Schmerzen. Ein Blick ueber den Kraterrand ist kaum moeglich, auch mit Sonnenbrillen verkriechen wir uns hinter kleinen Steinen, machen vorsichtige Schritte, denn jeder weite traegt mich einen Meter seitwaerts. Das Wetter erlaubt noch einen Blick ueber die kleine Wueste am Fusse des Vulkans, Sandduenen und erstarrte schwarze Lavafluesse praegen das Bild. Doch schnell wieder runter denn die Wolken fallen. Das Wetter laesst es nicht zu, dass wir zu den heissen Quellen weitergehen, so stolper ich mit meinem Rucksack wieder zurueck zum Refugio und verbringe die naechste Nacht am Ofen im Holzhaus. Das Wetter wird auch die naechsten Tage nicht sonderlich besser, trotzdem entscheiden ich mich mit Martin, einem Schweizer, und Charlotte und Ulrich, den beiden Daenen, einen tastenden Versuch durch den andauernden Nebel am Fusse des Vulkankegels zu wagen. Er glueckt, und nach fuenf Stunden kommen wir bei den nach faulen Eiern stickenden heissen Quellen an. Alles ist nur noch Wueste und ich stelle mein Zelt gekonnt zwischen die Pferdescheisse der cabagatas. Am naechsten Tag rennen wir diesmal ohne Rucksack vorbei an einem fast ausgetrockneten See an dessen Ufer man die schwimmenden Vulkansteinchen rascheln hoeren (“What the hell! – You are stones, you can not swim, did nobody tell you?”) kann zu den Mudpools. Zwei Israelis wollen es richtig wissen und machen uns mit schwefelschlammverkrusteten Schuhen darauf aufmerksam, dass man nicht zu dicht an die Geisiere heran darf, bekloppte Typen – zum Glueck sind sie nicht auf die Idee gekommen ihre Haende in das graue blubbernde Wasser zu stecken! Beim El Tatio im Norden sind schon welche umgekommen, weil sie ihre Nase zu dicht ueber den Kessel gehalten haben. Bei der Rueckkehr am Abend zu den Zelten sind auch die anderen Israelis gekommen und plantschen froehlich schnatternd in den Quellen. Der Himmel reisst doch noch einmal auf und ich klettere in meiner heiss geliebten Lava umher. Charlotte kann nicht aufhoeren sich ueber meine kindliche Begeisterung lustig zu machen. img_8212Es sind schoene Tage in den Bergen, auch wenn das Wetter uns nicht erlaubt den Vulkan noch einmal ohne umherfliegende Steine zu besteigen. Summend steige ich nach fuenf Naechten und sechs Tagen in den Bergen bei stroemendem Regen wieder ins Tal und trampe mit den anderen wieder zurueck nach Entre Lagos. Ein Tempo von 120km/h auf einer Pickupladeflaeche verursacht ne Menge Wind, darum heisst es runter in die Schafskoettel knien und Kopf einziehen. Von Entre Lagos nach Osorno wird es dann doch der Bus. Von Osorno geht es den gleichen Abend mit dem Bus zwoelf Stunden durch die Nacht direkt nach Santiago zurueck zu Matias Eltern. Dort verbringe ich organisierend und entspannend das Wochenende um dann weitere 1000 Kilometer nach Norden in die Atacamawueste zu fahren.

 

 
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