“Guten Tag, Drogenkontrolle, kommen Sie mal bitte her. Pass!? Wo kommen sie denn her? – Ah, interessant! Und mit Drogen in Beruehrung gekommen? Hm. Packen Sie mal den Rucksack aus!” – Willkommen in Deutschland. Flughafen Tegel, Berlin. Ich bin zurueck.
Dunkle Wolken, die letzten Sonnenstrahlen erwaermen die Haeuser der Stadt. Magisches Licht. Fotografen rennen wie aufgezogen mit grossen Augen und grossen Kameras durch sie hindurch – klick! Kalter Sommerregen, Bar, Minimal Elektronika. Gewitterguss, ein jaehes Ende des Wochenendes, die Menschen stroemen durch den Regen. Die Polizei bewahrt rauchend die Haltung und stroemt mit. Der Regen kuehlt meinen immer noch aus Caracas aufgeheizten Koerper ab. Grinse. Welch Willkommenswetter, es koennte charakteristischer nicht sein. Nicht symbolisch, denn ich freue mich wieder in Berlin zu sein. Ein gutes Gefuehl – das zu fuehlen.
Flugzeuge sind seltsame Dinger. Sie wechseln Theaterkulissen und konfrontieren die Schauspieler mit den neuen Bildern, in der gleichen Welt, in der gleichen Zeit, mit dem globalen Resultat einer langen Metamorphose von den konvergierenden, ineinanderschmelzenden Kraeften die die Menschen antreiben. Die Welt ist unendlich gross, sie wird kulturell kleiner, Flugzeuge machen sie noch kleiner. Zwei haben mich wieder zurueck nach Europa teleportiert, mich wieder an eine andere Stelle der Erde versetzt, in Bruchteilen von Zeit, die, wie sollte es das Laecheln der Umstaende auch anders wollen, im Flug langsam, aber schneller als im Fluge vergeht, denn ich habe mich ueber den Wolken in diesen unbequemen Iberiasitzen mit ihr bewegt.
Die letzten sieben Monate bin ich grob geschaetzt 42.000 Kilometer gereist, habe rund 560 Stunden dafuer in Bussen, Flugzeugen, Autos und auf Booten gesessen und einen kleinen Teil zu Fuss bewaeltigt. Was jetzt? Streife am Montag durch Berlin, gehe von der S-Bahn Station Treptower Park zur Niederbarnimstrasse zu Fuss. Die Sonne kommt raus. Es hat sich seltsam wenig veraendert. Es gibt ein paar neue Bars ein paar neue Restaurants, aber viel Streetart wurde noch nicht ueberklebt und die O2 World steht immer noch da und blendet meinen gierigen Blick zum Fernsehturm von der Warschauer Bruecke. Die Menschen auf den Strassen gucken verkniffen, waehrend sie auf den Gehwegen im Schatten der Haeuser wie aufgezogen entlangstreifen. Warum? Wirtschaftskrise. Sinnkrise?
Irgendeine andere Krise? So viel Krise kann gar nicht sein. Vielleicht ist das der Gesichtsausdruck zur Zielstrebigkeit, der Ausdruck absoluter Organisation, jener Deutschen mit der ich von den Menschen in Suedamerika so oft respekt- ja sogar ehrfurchtsvoll konfrontiert worden bin. Ja und sowieso sollten wir laechelnder durch die Strassen laufen und stolz sein, auf dies und jenes. Der oft grundlose Verdruss, nicht das es keine Antworten gebe wo dieser herkommt, wirkt tragisch, das Selbstbild verzerrt. Viele Menschen in Suedamerika gucken auf zu den Menschen in Deutschland, und nicht nur weil wir grosse Autos bauen, sondern auch, weil hier auch sonst alles so gut zu funktionieren scheint. Nur von aussen betrachtet? Und in uns drin? Was ist entscheidend? Auch, weil wir eigentlich ziemlich toll sind, es aber leider nicht merken, uns selber in einen anderen Bezugsrahmen pressen, oder gepresst fuehlen, dessen Realitaet und Wesen mir nicht klar ist und darum aus den Moeglichkeiten uns selbst zu gestalten, als Individuum und als Gruppe zu wenig machen. Die Menschen sollten, auch wenn es manchmal im Sommer an Sonntagen ganz kalt regnet, ihr eigenes Glueck lernen auch als solches wahrzunehmen. Oder anders, all die Moeglichkeiten das Leben in Deutschland gluecklich zu leben erkennen und sie beim Schopfe packen, so wie alles andere hier beim Schopfe gepackt wird. Achtung! – Fertig?! – Los!
Fusion. Und wie! Wieder raus aus der einfachen Lebensfuehrung in die Welt abstrakter Probleme, hier kommuniziert durch Musik. So genannte Zivilisationskrankheiten, Nachrichtenwelt, wir gehen verloren! Zurueck in gottlose Verfehlungen – verlorene Menschen in der modernen Zivilisation – in all das spannende Chaos, in dem wir alle unterzugehen scheinen und dann unter der Oberflaeche weiterschwimmen – ohne Halt, wie im Rausch. Rausch, RaUSch, RAUSCH! Was bestimmt unser Leben?
Ich bin wieder zurueck in einer schwebenden, fliegenden, huepfenden, suchenden Welt. Kollektiver Trance?! Kein Problem! Oder doch? Was Religion hier nicht mehr vermag zu vermitteln, wird durch Konsum von Massen und Musik ersetzt. Und ich mag es – dieses bunt-krabbelnde endlose Allerlei! Menschen brauchen in Deutschland und dem westlichen Europa meist keine glaubensgestuetzte Erloesung von Bauchschmerzen durch Hunger. Sie brauchen Konzepte, wie man wieder auf den Boden landen kann, weg vom entfremdenden Konsum, hin zu Traumwelten und Kollektivritualen. Ist das Flucht? Nein, vielleicht – egal! Der Mensch hat noch nie durch Konsistenz seiner eigenen Beduerfnisse, seines eigenen Wollens und Handelns geglaenzt. Nehmen wir es einfach an und machen das Beste draus. Prioritaet, Blick – Sehen, Entspannung, Spannung – Loslassen! Verantwortung, Durchblick, Nebel, Augen zu, unsichere Sicherheit, unwichtige Wichtigkeiten – wichtige Unwichtigkeiten – und erstmal, TANZen!
Welten sind so unterschiedlich. Jeder Versuch die Lebensweisen in ihnen in Beziehung zu setzen scheitert zwangslaeufig. Das ist in Ordnung, nur sollte man sich der Existenz anderer Welten im hier und jetzt bewusst sein um das eigene Wirken und Wandeln einordnen zu koennen. Zeigefinger runter und ab nach vorne!
Die Reise geht weiter, all dem Fernweh, der Sehnsucht, den Traeumen entgegen …




